NLA HA V.V.P. 7

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel 

Deutsche Partei

Laufzeit 

1934-1963

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung 

Organisation der DP Niedersachsen, Korrespondenz, Ausschüsse, Parteitage und Versammlungen, Wahlen, Propaganda, Finanzen, Flüchtlingsangelegenheiten, Personalia, Bundesgeschäftsführung, Korrespondenz u.a. mit Heinrich Hellwege, Bundesparteitage und Bundestagswahlen, Schriftleitung "Deutsche Stimme", Bund Junger Deutscher
Findmittel: EDV-Findbuch
Umfang: 18,6 lfdm

Bestandsgeschichte 

I. Organisation des Landesverbandes Niedersachsen der Deutschen Partei

Der folgende vorläufige Überblick über die etwas verwickelte, undurchsichtige und wandlungsreiche Organisation des Landesverbandes Niedersachsen der Deutschen Partei ergab sich bei der Verzeichnungsarbeit und soll die Benutzung des Depositums erleichtern. Informationen über den Aufbau der Gesamtpartei und des Landesverbandes finden sich nämlich nur an versteckten Stellen über den ganzen Bestand hin verstreut in den verschiedensten Aktenbänden. Die Bestandsabteilung I, 1 (Organisation etc.) ist in dieser Hinsicht leider wenig aussagekräftig.

Die hier nicht zu behandelnde Organisationsstruktur der Gesamtpartei ist in der vorgenannten Monographie von H. Meyn auf den Seiten 97 bis 107 dargestellt.

Wesentliche Hinweise über einzelne Organisationsprobleme des Landesverbandes Niedersachsen der DP verdanke ich Herrn Ministerialrat Adolf Dedekind (z. Zt. im Niedersächsischen Ministerium des Innern), den ich im August 1974 befragte. Dieser besonders wichtige Zeuge war 12 Jahre lang engster Berater des Parteivorsitzenden Hellwege in der Stellung eines persönlichen Referenten und begegnet in den Korrespondenzen des vorläufigen Bestandes ständig. Eine wirklich genaue Organisationsgeschichte des mit der Gesamtpartei eng verzahnten Landesverbandes Niedersachsen der DP könnte nur aus speziellen Nachforschungen gewonnen werden. Die folgenden Hinweise, die sich beiläufig ergeben haben, haben deshalb vorläufigen Charakter und sind verbesserungsbedürftig.

Die NLP-DP war von 1945-1947 eine regionale, von 1949 bis 1953 eine nationale und von 1953 bis 1957 eine rein konservative Partei. Von 1957 an war sie von inneren Spannungen und vom Zerfall bedroht. Die Gesamtpartei gliederte sich in Landesverbände und Kreisverbände, die sich wiederum zu Bezirksverbänden zusammenschließen konnten. Dennoch blieb die DP

immer eine norddeutsche Regionalpartei. Der Landesverband Niedersachsen der DP war stets der Kern der Partei und verfügte über einen festen Stamm von rd. 35.000 Mitgliedern, während alle anderen Landesverbände zusammen höchstens 9.000 bis 10.000 Mitglieder hatten. Die Ausweitung der ursprünglich auf das Land Niedersachsen beschränkten Niedersächsischen Landespartei auf Zonen- und später Bundesebene in Westdeutschland wurde im Juni 1947 beschlossen und fand ihren Ausdruck in der Annahme des Namens "Deutsche Partei".

Die Gesamtpartei und der Landesverband Niedersachsen der DP gaben sich jeweils mehrere, verschiedentlich abgeänderte bzw. ergänzte Satzungen (vgl. Bestandsgruppe I, 1).

Die wichtigsten Führungsorgane der Gesamtpartei, deren Zentrum stets Niedersachsen blieb, waren der 1. Parteivorsitzende und das Direktorium. Der weniger bedeutende Bundesausschuss (vorher Zentralausschuss) umfasste seit 1952 rd. 40 bis 50 Personen, insbesondere Mitglieder der Landesverbände. Er war ein verkleinerter Parteitag und hatte eher die Stellung einer Beschluss- und Bestätigungsinstanz als einer beratenden Versammlung.

Parteivorsitzender der Gesamtpartei und des Landesverbandes (= L. V.) Niedersachsen war von Anfang an bis zu seinem Rücktritt von beiden Ämtern am 15. Januar 1961, Heinrich Hellwege. Vorher war aber bereits seit dem 9. Juni 1960 Richard Langeheine Geschäftsführender Vorsitzender des L. V. Niedersachsen geworden, nachdem er seit 1953 schon ununterbrochen dessen Stellvertretender Vorsitzender gewesen war. Am 15. April 1961 fusionierte die DP dann mit dem Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) zur Gesamtdeutschen Partei (GDP) und hörte damit auf zu bestehen. Die im Juni 1962 neugegründete DP blieb bedeutungslos.

Die eigentliche Parteileitung lag beim Direktorium der NLP-DP, dem ursprünglich 7, später nahezu 20 Personen angehörten. Nach der

Satzung der NLP vom 12. November 1946 setzte sich das Direktorium folgendermaßen zusammen: von den 7 Mitgliedern wurden 5 (nach der Hauptsatzung vom 17. Juni 1948: 4!) durch den Zentralvorstand jeweils auf 2 Jahre gewählt, die restlichen 2 berief das Direktorium selbst. Nach der Hauptsatzung der DP vom 8. Februar 1949 bestand das Direktorium aus den Vorsitzenden der Landesbehörde und einer gleichen Anzahl vom Zentralvorstand hinzu gewählter Vertreter. Dieses Gremium hatte als Exekutive der Partei umfassende Kontroll- Und Koordinationsbefugnisse und bestimmte tatsächlich den Kurs der DP. Der 1. Parteivorsitzende führte den Vorsitz im Direktorium und hatte dadurch in diesem eine besonders starke Vorzugsstellung; bei Stimmengleichheit gab seine Stimme den Ausschlag. Dennoch arbeiteten (nach Meyn) Direktorium und Vorsitzender zusammen, ohne dass letzterer das Führungsgremium überspielte. Die im vorläufigen Bestand befindlichen ca. 45 Akteneinheiten der Provenienz 1. Parteivorsitzender - Direktorium - (Zonenleitung) enden mit zwei Ausnahmen (vgl. Nr. 448 und Nr. 452) in den Jahren 1948/1949.

Eine eigenartige Stellung hatte der Generalsekretär der NLP-DP. Er nahm satzungsmäßig nur die unselbstständige Funktion eines nach den Weisungen des Vorsitzenden arbeitenden Geschäftsführers wahr. Bis etwa 1950 war der Generalsekretär der Gesamtpartei mit Sitz in Hannover zugleich auch Hauptgeschäftsführer des L. V. Niedersachsen. Mit der Konstituierung der Bundesrepublik Deutschland gelangte jedoch die Generalsekretärsstelle der Gesamtpartei nach Bonn (zeitweise bezeichnet als "Bundesgeschäftsführung - Generalsekretär"), während dem Landesverband Niedersachsen nur ein "Landesgeschäftsführer" mit den Befugnissen des früheren Generalsekretärs verblieb. Politisches Gewicht erhielt der Generalsekretärsposten erst seit Anfang 1956 in der Person des Grafen Wilderich von Galen, der bis

1961 in dieser Stellung blieb (inzwischen verstorben; ehem. Wohnsitz: Beversundern über Lingen/Ems. Von 1950 bis 1955 nahm Dr. Ehrlich die Aufgaben der Bundesgeschäftsführung (Generalsekretariat) wahr.

Die Verquickung von Bundes- und Landeskompetenzen, hervorgerufen durch die überragende Stellung des L. V. Niedersachsen innerhalb der Gesamtpartei, fand ihren folgerichtigen Ausdruck auch in der Parteiorganisation: Parteivorsitzender und Generalsekretär (letzterer nur bis 1950) versahen ihre Ämter in Personalunion zugleich für die Gesamtpartei und den Landesverband Niedersachsen. Dem schriftlichen Niederschlag ihrer Tätigkeit innerhalb des vorläufigen Depositums ist deswegen nicht immer anzusehen, welcher Parteiebene und welcher Organisationseinheit der DP sie jeweils entstammen. Aufgrund der Tatsache, dass der Landesverbandsvorsitzende Hellwege von 1949 bis 1955 Bundesratsminister in Bonn und von 1955 bis 1959 Niedersächsischer Ministerpräsident in Hannover war, seinen ständigen Wohnsitz aber weiterhin stets in Neuenkirchen (Kreis Stade) hatte, wird die Organisation des L. V. Niedersachsen und dessen gesamter Geschäftsbetrieb zusätzlich infolge Ämterkumulierung durch räumliche Zertrennung behindert. Aus diesem Grunde ist der hierarchische Aufbau und die gegenseitige Abgrenzung der verschiedenen Büros, Geschäftshaupt- und Nebenstellen, Sekretariate sowie der entsprechenden Einrichtungen, Organisationseinheiten und Dienststellen der Partei nicht ganz durchsichtig (insbes. Zonen-, Bundes- und Landesleitungen, Direktorium, Landesgeschäftsführung, Generalsekretär, Hauptgeschäftsführer in Bund und Land, Sekretariate bzw. Büros und Dienststellen beim 1. Parteivorsitzenden). Folgendes ließ sich während der Verzeichnung feststellen.

Der 1. Vorsitzende der NLP-DP hatte seinen ständigen Wohnsitz in Neuenkirchen (bei Horneburg, Kreis Stade). Sein persönliches Sekretariat

bzw. Büro befand sich bis zur Konstituierung der Bundesrepublik Deutschland 1948/1949 in Stade, bzw. dem in der Nähe gelegenen Agathenburg, danach in Bonn. Persönlicher Referent Hellweges und Leiter des Persönlichen Büros (bzw. Sekretariats oder Geschäftsstelle) in Stade und später in Bonn (bzw. von 1955 bis 1959 in Hannover während Hellweges niedersächsischer Ministerpräsidentschaft) war spätestens seit Sommer 1947 Adolf Dedekind (seit dem 1. April 1948 hauptamtlich angestellt und insgesamt 12 Jahre in dieser Stellung als engster Berater tätig), vorher (zumindest zeitweise) ein Herr Jagemann (im Dezember 1946 bezeugt). Ab Sommer 1947 befand sich auch die Zonenleitung der entstehenden Gesamtpartei in Stade (Breitestraße), die A. Dedekind leitete. Im Juli 1947 bestand sie aus rd. 11 Mitarbeitern. Ein Geschäftsführer der Zonenleitung ist 1948 nachweisbar. Das Sekretariat des 1. Parteivorsitzenden hatte laut Geschäftsverteilungsplan vom 14. Dezember 1946 (vgl. VVP 7 Nr. 1) ca. 16 haupt- und ehrenamtlich besetzte Fachreferate. Nach seiner Übersiedlung in die Bundeshauptstadt (als Mitglied des Parlamentarischen Rates und des ersten Bundeskabinetts) beabsichtigte Hellwege im Oktober 1950 ein "Parteibüro" in Bonn zu schaffen: spätestens 1952 existiert dann eine "Bundesgeschäftsführung" - (Generalsekretär)" der Gesamtpartei (lange geleitet von Dr. Ehrich) sowie ein Persönliches Sekretariat des 1. Parteivorsitzenden in Bonn. Ein Aktenplan der Bundesgeschäftsführung (etwa aus den Jahren 1952-1955) findet sich in Nr. 403.

Hellwege leitete den L. V. Niedersachsen von Stade (bzw. Agathenburg und Neuenkirchen), von Bonn (ab 1948/49), von Hannover (1955-1959) und dann wieder von Bonn aus. Maßgebend für den Sitz der Parteileitung an der Peripherie des Landes Niedersachsen war in den Anfangsjahren u. a. die Nähe zum Sitz des Zonenbeirates in Hamburg. Adolf Dedekind war bis etwa

1959 Hellweges Rechte Hand. Der gesamte Schriftverkehr lief in der Regel über ihn, er koordinierte und korrespondierte (selbständig) in Hellweges Auftrag.

Das Direktorium der Gesamtpartei hatte seinen Sitz bis etwa 1949 (offenbar) in Stade (bzw. Agathenburg), zumindest befand sich die Geschäftsstelle dieses Gremiums ganz sicher dort. Im November 1948 zog das "Büro" des Direktoriums von Stade (Breitestraße 2) nach Agathenburg um. Von Juli bis September 1947 ist Herr Mucha als Geschäftsführer des Direktoriums fassbar. Die Geschäftsstelle des Direktoriums ist dann nachweislich in der Zeit von Mitte Dezember 1948 bis 19. Juli 1949 von Agathenburg nach Hannover verlegt worden. Das Direktorium selbst hatte seinen Sitz seit 1949 anscheinend für einige Jahre in Hannover und dann in Bonn. Da das Direktorium in den Anfangsjahren in Stade arbeitete, ist eine Scheidung zwischen den Provenienzen Parteivorsitzender-Direktorium-Zonenleitung der DP kaum möglich. Selbst die DP-Mitglieder schieden diese drei Parteistellen bei ihren nach Stade adressierten Schreiben in der Anschrift nicht deutlich voneinander. Diese Verquickung und die Querverbindungen zeigen sich auch darin, dass der 1. Parteivorsitzende bzw. das Direktorium regelmäßig mit dem Generalsekretär bzw. der Landesgeschäftsführung in Hannover gegenseitig Kopien und Durchschläge von Ausgängen austauschten. Ein Aktenplan des Direktoriums vom April 1948 befindet sich in VVP 7 Nr. 399.

Das hinsichtlich des vorläufigen Bestandes hauptsächlich interessierende Parteiamt war das des Generalsekretärs, (bis etwa 1950) und danach das des Landesgeschäftsführers des Landesverbandes Niedersachsen. Der Generalsekretär ist bis 1950 vornehmlich als Hauptgeschäftsführer des L. V. Niedersachsens anzusehen, daneben fungierte er aber - zumindest zeitweilig - auch als ständiger Vertreter des 1. Parteivorsitzenden Hellwege sowie als Leiter

der Geschäftsstelle des Direktoriums. Diese dreiseitige Funktion ist ohne spezielle organisationsgeschichtliche Studie, für die der vorläufige Bestand keine Spezialakten bereithält, hinsichtlich der verschiedenen Aufgabenbereiche und Kompetenzabgrenzungen sowie hinsichtlich des Dienstsitzes vorerst nicht näher aufzuschlüsseln. Die folgenden Beobachtungen sind deswegen in Anbetracht der Bedeutsamkeit des Generalsekretärposten für den vorläufigen Bestand dringend erweiterungsbedürftig. Ergänzendes Material zur Klärung der anstehenden Fragen dürfte sich im vorgenannten Privatarchiv Hellwege in Neuenkirchen finden.

Vom August 1946 bis etwa zum Mai 1947 fungierte Dr. jur. Hans Mühlenfeld (1901-1969) als Generalsekretär (zum Lebenslauf vgl. "Wer ist Wer?" - 1967/68, ferner das Niedersächsische Landtagshandbuch von 1963 und "Porträt eines Parlaments", Hg. von R. Lehners, 1967); Mühlenfeld war später MdL und MdB, Fraktionsvorsitzender der DP im Bundestag, Botschafter in den Niederlanden und Niedersächsischer Kultusminister. Büroleiter der Hauptgeschäftsstelle war von 1945 bis etwa Mai 1947 Heinrich Voß. In einem von Mühlenfeld stammenden Verfassungsentwurf für die DP (von ca. 1947) wurden in § 27 dem Generalsekretär innerparteiliche Koordinationsbefugnisse zuerteilt (vgl. VVP 7 Nr. 2). Ein Organisationsplan aus dieser Zeit (wahrscheinlich Anfang 1947) empfiehlt, die Geschäftsleitung der Partei und das Generalsekretariat eng miteinander zu verbinden, indem eine Geschäftsstelle des Direktoriums geschaffen wird, die der 1. Parteivorsitzende des Direktoriums leitet (vgl. ebd. Nr. 1). Acht Sachbearbeiter (Referate) und 5 Ausschüsse sind darin vorgesehen. Ein ab 1. Januar 1947 gültiger Geschäftsverteilungsplan sah demgegenüber 16 Referate im Sekretariat des 1. Vorsitzenden sowie 6 Ausschüsse vor, für den Generalsekretär (Sitz Hannover) aber nur einen Büroleiter nebst Personal.

(vgl. VVP 7 Nr. 1) Bereits im Mai 1947 wird bewegt darüber geklagt, dass zwar die Hauptgeschäftsstelle der Partei in Hannover sei, andererseits aber immer mehr Parteiangelegenheiten im Büro des Parteivorsitzenden von Stade aus bearbeitet würden, wodurch Erschwerungen und Verzögerungen sich ergäben. Eine Vereinigung der Geschäftsstellen sei deshalb anzustreben. (vgl. VVP 7 Nr. 350) Diese Vereinigung erfolgte aber bis 1950 niemals.

Im Juni 1947 ist Ernst August Farke mit der "Wahrnehmung" der Generalsekretärsgeschäfte beauftragt (zum Lebenslauf vgl. "Handbuch des Niedersächsischen Landtags" 1948). Ab 1. Juli übernimmt Oberingenieur Karl Hans Heise das Generalsekretariat bis 1948 (zum Lebenslauf vgl. "Handbuch des Niedersächsischen Landtags" von 1951 und Porträt eines Parlaments", von R. Lehners hrsg. 1967). Heise war mit Unterbrechungen bis 1962 niedersächsischer Landtagsabgeordneter. Das Generalsekretariat wird jetzt als ausführendes Organ der Beschlüsse des Direktoriums beschrieben. Sitz ist Hannover, Billweg 7 H. Unter dem Briefkopf "Deutsche Partei, Landesverband Niedersachsen - das Generalsekretariat" wird ein ab 1. August 1947 in Kraft tretender Organisationsplan des Generalsekretariats veröffentlicht, der folgende 12 Hauptreferate aufführt (vgl. VVP 7 Nr. 1):

I Ausschuss für Verfassungsfragen
II Ausschuss für Inneres
III Ausschuss für Haushalt und Finanzen
IV Ausschuss für Arbeitsverwaltung
V Ausschuss für Wohnungs- und Siedlungswesen
VI Ausschuss für Wohlfahrt und Gesundheitswesen
VII Ausschuss für Flüchtlingsfragen
VIII Ausschuss für Kultur
IX Ausschuss für Wirtschaft
X Ausschuss für Verkehr
XI Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
XII Ausschuss für Rechtsfragen

Am 30. November 1948 wurden von diesen Referaten acht wieder aufgelöst (vgl. VVP 7Nr. 3).

Anfang August 1947 begegnet der Briefkopf "Generalsekretär des

Landeverbandes Niedersachsen - Hauptgeschäftsstelle" (vgl. VVP 7 Nr. 2).

In einem an das Direktorium adressierten Entwurf betr. Geschäftsanweisung vom 30. März 1948 wird der komplizierte Funktionsbereich des Generalsekretärs folgendermaßen umschrieben: Der Generalsekretär ist der ständige Vertreter des 1. Parteivorsitzenden in laufenden Verwaltungssachen. Er erhält Anweisungen vom Vorsitzenden des Direktoriums, führt sie in eigener Verantwortung aus und unterstützt den Vorsitzenden bei der Ausführung von Beschlüssen des Direktoriums, soweit dieser diese Arbeiten nicht unmittelbar durch sein Büro erledigen lässt. An den Sitzungen des Direktoriums nimmt er mit beratender Stimme teil. Er verfügt über ein Büro und Referenten (vgl. VVP 7 Nr. 2).

Ein Organisationsschema der DP vom 1. April 1948 zeigt folgenden Aufbau:

In der am 17. Juni 1948 in Verden beschlossenen Hautsatzung der DP (die die Fassung vom 12. November 1946 ersetzt, in der der Generalsekretär nicht genannt wird), heißt es in § 11, dass der Generalsekretär die Protokolle bei den Sitzungen des Direktoriums führt. Die am 08. Februar 1949 in Hannover-Isernhagen beschlossene Hauptsatzung der DP bestimmt wiederum, dass der 1. Parteivorsitzende die Geschäfte der Gesamtpartei leitet und sich dabei der "Geschäftsstelle des Direktoriums (Generalsekretariat)" bedient. Diese Geschäftsstelle des Direktoriums wurde vor dem 19. Juli 1949 von Agathenburg (bei Stade) nach Hannover verlegt, die entsprechenden Akten waren bereits im 1. Viertel desselben Jahres dorthin abgegeben worden (vgl. Depositum des Heimatbundes Niedersachsen, VVP 466 Nr. 1825).

Seit Frühjahr-Sommer 1949 führt als Nachfolger von K. H. Heise der Ministerialdirektor Dr. Johann Dietrich Lauenstein als "Bevollmächtigter des Direktoriums" die Geschäfte des Generalsekretariats (vgl. Nr. 399). Lauenstein war später in leitender Stellung in der

Emsland GmbH tätig und lebt nach Auskunft von Herrn Dedekind heute in Göttingen. Als Vertreter Lauensteins wird ein Herr Witt fassbar. Ab 1949 verlagerte sich der Schwerpunkt der Parteiführung mit der Übersiedlung Hellweges nach Bonn (A. Dedekind ging 1949 ebenfalls in die Bundeshauptstadt) von der Zonenleitung in Stade auf das Generalsekretariat in Hannover. Im August 1950 adressiert Hellwege aus Bonn noch an "Generalsekretariat und Landesgeschäftsstelle in Hannover". In der Satzung des Landesverbandes Niedersachsen vom 8. Februar 1949 wird der Generalsekretär nicht erwähnt: es heißt dort nur, dass der Vorsitzende die Geschäfte des Landesverbandes leitet und sich dafür der Landesgeschäftsstelle (Landesgeschäftsführung) mit Sitz in Hannover bedient. Das Datum des Ausscheidens von Lauenstein als Generalsekretär konnte nicht ermittelt werden. Jedenfalls zeichnet im Sommer 1950 Herr Witt "in Vertretung" für Generalsekretariat und Landesgeschäftsführung in Hannover.

Seit 1950 ist dann bis zum Ende der Deutschen Partei der Industriekaufmann Walter Bockenkamp Landesgeschäftsführer des Landesverbandes Niedersachsen (geb. 1907, 1961-1965 Mitglied des Niedersächsischen Landtags; zum Lebenslauf vgl. "Handbuch des Niedersächsischen Landtags", 1963, und Porträt eines Parlaments, hrg. von R. Lehners, 1967, S. 111). Er ist als Nachfolger Lauensteins "eine Art Generalsekretär für Niedersachsen", wie Herr Dedekind seines Stellung 1974 umschrieb. Die komplizierte und undurchsichtige Personalunion von Generalsekretär (für die Gesamtpartei) und Landesverbandsgeschäftsführer ist mit dem Amtsantritt Bockenkamps nunmehr endgültig aufgehoben. Im September 1950 schreibt Hellwege zwar noch an das "Generalsekretariat der Deutschen Partei - z. Hd. Von Herrn Bockenkamp", aber später wird letzterer bis zum Ende der Partei nur noch als "Landesgeschäftsführer" betitelt. In den folgenden 11

Jahren läuft die gesamte Korrespondenz des vorläufigen Bestandes in der Regel über ihn. Die Landesgeschäftsstelle befand sich seit 1953 ständig in Hannover, Marienstraße 44 (vorher Billweg 4). Infolge dieser Trennung der Funktionen wird der vorläufige Bestand mit dem Jahr 1950 provenienzmäßig einheitlich - abgesehen von den Sonderregistraturen der "Deutschen Stimmen" und des "Bundes Junger Deutscher". In dem Depositum finden nunmehr nur noch die Geschäfte des Landesverbandes Niedersachsen ihren schriftlichen Niederschlag.

Nach diesem Überblick über die Organisationsprobleme der NLP-DP in der Besatzungszeit und dem ersten Jahr der Bundesrepublik Deutschland müssen noch das Parteiorgan und die Jugendorganisation der Deutschen Partei erwähnt werden, die im vorläufigen Depositum besondere Provenienzsparten bilden. Die Verlagsleitung und Schriftleitung des offiziellen Organs der Deutschen Partei, der "Niedersächsischen Stimmen", ab 1949 "Deutschen Stimmen" befand sich im selben Hause wie die Landesgeschäftsführung (Billweg 4 A, ab 1953 Marienstr. 44), zu der engsten Verbindung bestanden haben müssen. So lief die Korrespondenz zeitweilig über den Landesgeschäftsführer Bockenkamp. Dagegen hatte die Bundesführung (Präsidium) des "Bundes Junger Deutscher", der eine selbständige, "nationale rechtsfähige Jugendorganisation" der DP war, getrennt von der Landesgeschäftsstelle ihren Sitz in Hannover, Landschaftsstr. 6. Der BJD war zahlenmäßig völlig bedeutungslos: im Jahre 1953 hatte er je 200 Mitglieder in Niedersachsen und Berlin sowie 20 in Hamburg. Der Bundesvorsitzende gehörte bis 1955 dem Direktorium an. Zeitweilig nahm Schlegel diese Position ein, Landesgruppenführer Niedersachsen war Trapphagen. Die Akten der BJD-Bundesführung enden in den Jahren 1953-1955 und wurden - offenbar nach dem Erlöschen des Bundes - wahrscheinlich vom Landesverband Niedersachsen

übernommen.


II. Literaturhinweise

Hermann Meyn, Die Deutsche Partei. Entwicklung und Problematik einer nationalkonservativen Rechtspartei nach 1945, Düsseldorf 1965 (171 S.)
(Verf. behandelt nur die Grundzüge der DP-Entwicklung; die NLP wird nur gestreift, Aufbau und Organisation der Partei sowie der Landesverband Niedersachsen nur kursorisch dargestellt, auf das Parteiorgan "Deutsche Stimmen" und die Jugendorganisation "Bund Junger Deutscher" wird nicht eingegangen)

Hans Prilop, Die Vorabstimmung in Hannover 1924. Untersuchungen zur Vorgeschichte und Geschichte der Deutsch-Hannoverschen Partei
im deutschen Kaiserreich und in der Weimar Republik, Dissertation (maschinenschriftlich) Hamburg 1954

Arnold Fratzscher, Die CDU in Niedersachsen. Demokratie der ersten Stunde, Hannover 1971

Konrad A. Franke, Die SPD in Niedersachen. Demokratie der ersten Stunde, Hannover 1972

Heinz-Georg Marten, Die FDP in Niedersachsen. Demokratie der ersten Stunde, Hannover 1972

Franz Hartmann, Geschichte der Gewerkschaftsbewegung nach 1945 in Niedersachsen, Hannover 1972

Günther Franz, Die politischen Wahlen in Niedersachsen 1867 bis 1949. 3. ergänzte Auflage mit einem Anhang: Die Wahlen 1951 bis 1956, Bremen-Horn 1957

Albert Stoffregen, Die Geschichte der politischen Parteien und Wahlen im Gebiet des Kreises Gandersheim und der Stadt Salzgitter von 1867 bis 1963, phil. Dissertation Marburg/Lahn 1965

H. C. Uleer, Das Verhältnis der DP und CDU bei den niedersächsischen Regierungsbildungen 1955, 1957, 1959. (o. O, u. J.)


III. Bestandsgeschichte

Der vorliegende Bestand (Umfang: 70 Fach) wurde im Jahre 1963 von der Deutschen Partei, Landesverband Niedersachsen, als Depositum an das Staatsarchiv Hannover abgegeben (vgl. Dienstakte Spez. D-2-1, Gz. 2553/63; Acc. 58/63). Das Depositum ist bis zum Jahre 1990 für jede Benutzung - ausgenommen den Depositar

selbst und dessen Stellvertreter - gesperrt (vgl. Gz. 2516/74)! Die Deutsche Partei hat sich inzwischen aufgelöst und ist im Vereinsregister bislang nur zu dem Zweck nicht gelöscht worden, um Nichtberechtigte an der Führung des Parteinamens zu hindern. Depositar ist gegenwärtig Herr Regierungsdirektor Adolf Meyer-Ravenstein (derzeit 3062 Bückeburg, Gerhart-Hauptmann-Str. 26), der frühere Vorsitzende des Landesverbands Niedersachsen in der im Juni 1962 neugegründeten, aber bedeutungslos gebliebenen Deutschen Partei. Als seinen Vertreter benannte er Herrn Benedikt von der Decken (derzeit 2161 Krummendeich über Freiburg/Elbe, bei Stade).

Die ursprüngliche Ordnung des Gesamtbestandes war vor der archivischen Neuordnung völlig gestört und in ihren Grundzügen nicht mehr erkennbar. Äußerlich hob sich von dem in Stehordnern untergebrachten Hauptteil ein kleinerer Schriftgutkomplex ab (jetzt in etwas 110 Akteneinheiten aufgegliedert), der in Umschläge und Mappen eingelegte, lose und ungelochte Blätter enthielt. Diese großenteils aus Zwergfaszikeln bestehende Registratursparte setzte sich teilweise aus Varia und handaktenartigem Material zusammen. Äußerlich erkennbar war auch eine kleine Registraturschicht, bei der die Akten analog den von 1947 bis 1948 im Generalsekretariat der DP bestehenden Hauptreferaten mit GI bis GXII signiert waren. Die Aktenordner der (Fremd-)Provenienz 1. Parteivorsitzender-Direktorium-Zonenleitung hoben sich ebenfalls durch Stehordnertyp, Beschriftung und Zustand in etwa erkennbar von der Hauptmasse des Bestandes ab. Jedoch waren alle diese Registraturschichten und -sparten als einheitliche Schriftgutkörper völlig aufgelöst und über den ganzen Bestand hin verstreut. Die Hauptmasse des Depositums wird demgegenüber, beginnend etwa in den Jahren 1948/49, aus rückseitig gut beschrifteten Stehordnern gebildet. Diese einheitliche Registraturschicht war

eine Folge der in der Gründungsperiode der Bundesrepublik Deutschland sich vollziehenden Loslösung der Geschäftsführung des Landesverbandes Niedersachsen gegenüber den Führungsgremien der Gesamtpartei (Generalsekretär in Hannover, Direktorium und Zonenleitung in Stade). Die meisten Stehordner (besonders der letztgenannten Registraturschicht) waren stark überfüllt, da man in der Endphase der DP in die bereitstehenden Ordner weiteres Material hineinstopfte, das inhaltlich und chronologisch nicht dazugehörte. Ganz offensichtlich wollte man den Stellplatz für weitere Akten oder die Neuanschaffung von Aktenbehälter einsparen. Bei der Aktenbildung bevorzugte die DP die von unten nach oben chronologisch fortschreitende sogen. kaufmännische Schriftstückablage.

Die Überlieferungsdichte des vorläufigen Depositums verteilt sich ziemlich gleichmäßig auf die Jahre 1945 bis 1961. Hervorzuheben sind die umfangreichen, unmittelbar nach der Besetzung durch die Alliierten einsetzenden Korrespondenzserien der NLP (Niedersächsischen Landespartei, Vorgängerin der DP) für das sonst schlecht dokumentierte Jahr 1945. Offenbar ist jedoch nicht die gesamte Registratur des DP-Landesverbandes Niedersachsen in das Hauptstaatsarchiv gelangt. Es fehlt beispielsweise in der Abteilung I 4 der Band mit den Korrespondenzpartnerbuchstaben A-E (1953-1960) vor Nr. 50 in der allgemeinen Korrespondenzserie. (vgl. auch die Lücken in den Korrespondenzen vor Nr. 34 und 492, nach Nr. 501 und 481, vor und nach Nr. 63)

Die bei der Neuordnung archivisch gebildeten Akteneinheiten haben überwiegend einen beträchtlichen Umfang. Starke und mittelstarke Aktenbestände herrschen vor, und nur etwa 1/3 des Bestandes besteht aus Klein- oder Zwergfaszikeln. Insgesamt 33 Akten enthalten ausschließlich lose eingelegte, ungelochte Schriftstücke.

Bei der Verzeichnung wurden folgende Betreffe kassiert:

1 Faszikel:

"Union im Wahlkampf" (1949), (2 cm stark)
1 Faszikel: Pressedienst der Deutschen Arbeitgeberverbände (1952), (5 cm stark)
1 Faszikel: Pressedienste von diversen Verbänden u. ä. (1950-1952), (5 cm stark)
1 Fach (1949-52)
a) Presseinformationen der Dt. Bundesregierung, Bundesgesetzblatt
b) Diverse Sitzungsprotokolle des Niedersächsischen Landtags und des Deutschen Bundestages
c) Zeitungsausschnitte ohne einheitliche Thematik (1948-52)
1 Ordner (5 cm stark): Protokolle des Haushalts- und Finanzausschusses im Niedersächsischen Landtag (1949)
½ Fach: Diverse unerhebliche Vordrucke der DP (überzählige Mehrfachstücke)

Insgesamt wurden unter Einbeziehung von weiterem unklassifizierbarem Material geringen Umfangs nicht mehr als 5 Fach aus dem Gesamtbestand kassiert.

Als völlige Fremdkörper befanden sich in dem Depositum eine Akte der Deutsch-Hannoverschen Partei (jetzt nach Bestand Hann. 310 III, Nr. 11 überführt) aus dem Jahre 1928 sowie je ein Faszikel mit Zeitungsausschnitten (1934-1944) mit dem Fotos von der Welfenhochzeit 1951 (vgl. Nr. 538 und Nr. 542).

Der Erhaltungszustand des Depositums war im ganzen nicht besorgniserregend, obwohl die Heftmechanik bei einem größeren Teil der Aktenordner bereits angerostet war. Gleichwohl war dadurch das zur Hälfte aus dünnen Durchschlagpapier bestehende Schriftgut in seiner Substanz noch nicht beschädigt.

Bei der Neuordnung und Verzeichnung war die für die Benutzung zwar hinderliche, von der Struktur des Schriftgutes jedoch vorgegebene Gliederung nach Korrespondenz unvermeidlich.

So spiegelt sich der umfangreiche Schriftverkehr mit den Bezirks- und Kreisverbänden Niedersachsens, sowie den anderen Landesverbänden der DP hauptsächlich nur in langen Korrespondenzserien, in denen die Sachbetreffe im Aktentitel nicht erscheinen. Die übrigen Akten sind Sach- und Sammelakten, die jedoch meist mehr- oder

vielbetreffig angelegt waren, so dass die Verzeichnung oft nur die Hauptbetreffe aufreihend erfassen konnte. Durch häufige Querverweise wurde der Wiederkehr ähnlicher Sachbetreffe in verschiedenen Bestandsgruppen Rechnung getragen. Der Inhalt der im Findbuch als "allgemeine Korrespondenzen" erscheinenden Akteneinheiten ist folgendermaßen annähernd zu generalisieren.

Allgemeiner Schriftwechsel innerparteilich, landes-, bundes-, welt- und interessenpolitischen (Sach- und Personalfragen) mit Parteiorganisationen und Parteigremien der DP, einzelnen Parteifreunden, staatlichen Stellen, Politikern und Verwaltungsbeamten sowie Schriftwechsel mit anderen Parteien, Organisationen, Verbänden, Zusammenschlüssen und mit Privatpersonen.

Es sei hier darauf hingewiesen, dass in den allgemeinen Korrespondenzen der "Deutschen Stimmen" sehr viele Nachrichten, Kommentare, Manuskripte, Richtigstellungen, Presseverlautbarungen sowie Propaganda- und Aufklärungsmaterialien enthalten sind.

Provenienzmäßig ist der Bestand nicht ganz einheitlich und durchsichtig, was aus den im Anhang skizzierten Eigenarten im Aufbau und der Organisation des Landesverbandes Niedersachsen der DP erklärlich ist. Bei der NLP-DP waren nämlich charakteristischerweise Bundes- und Landesvorsitzender sowie Bundes- und Landeskompetenzen verschiedener Parteiämter und Parteigremien in schwer überschaubarer Weise - organisatorisch offenbar unsicher abgegrenzt - bei teilweise räumlicher Trennung in Real- und Personalunionen miteinander kombiniert, verquickt und verzahnt. Es begegnen deshalb - bei Anwendung strenger Maßstäbe - im vorläufigen Bestand zahlreiche andere Provenienzen ("Fremdprovenienzen" wäre eine zu krasse Bezeichnung) sowie Teil- und Mischprovenienzen, die als solche hinter den jeweiligen Aktentiteln kenntlich gemacht sind. Bei den nachstehend aufgeführten, rd. 55 Akteneinheiten ist nicht der

Landesverband Niedersachsen Registraturbildner. Provenienzstellen sind vielmehr folgende andere Parteiämter und Parteieinrichtungen:

Sonderprovenienzen:

Parteivorsitzender-Zonenleitung-Direktorium der DP: Nr. 1, 30-37, 73-78, 112-117, 195-196, 200, 235, 244-246, 308-310, 312, 334, 368, 375-376, 396-399, 447-448, (452), (457), 474, 510

Parteisekretär der DP: Nr. (47), 67, 104, (395), (455), 457, 472, 508

Generalsekretär der DP: Nr. 202, 284

Kreisverband der DP in Göttingen: Nr. 42

Bundesführung (Präsidium) des "Bundes Junger Deutscher": Nr. 513-515, 518-521, 524-525, 527, 529, 533

Eine Gliederung des Gesamtbestandes unter Berücksichtigung dieser Sonder- und Mischprovenienzen verbot sich wegen der geringfügigen Anzahl dieser Sonderregistraturen (nur rd. 1/10 des Gesamtbestandes) sowie aufgrund der Tatsache, dass ein Teil der Akten des Direktoriums im Februar 1949 an das Generalsekretariat in Hannover gesandt worden ist, als die Geschäftsstelle des Direktoriums von Stade dorthin verlegt wurde (vgl. Nr. 399). In den o. g. rd. 45 Akten des Direktoriums ist zumindest ein Teil dieser Direktoriumsregistratur als Bestandteil der Registratur des Landesverbandes erhalten geblieben und als solcher anzusehen.

Da ein Aktenplan der Geschäftsstelle des Landesverbandes nicht ermittelt werden konnte, musste das Depositum völlig neu geordnet werden, wobei sich die Gliederung in die beiden Hauptabteilungen "DP auf Landesebene" und "DP auf Bundesebene" von der Zusammensetzung des Bestandes her von vornherein anbot. Einigen Inkonsequenzen und Überschneidungen wurde durch zahlreiche Querverweise abgeholfen.

Eine vorläufige Übersicht über die Organisation des Landesverbandes Niedersachsen der DP, die das Verständnis des vorläufigen Depositums erleichtern soll, folgt mitsamt einer Liste verwandter Bestände gesondert auf das Vorwort.

Die Bedeutung des Bestandes

VVP 7 für die niedersächsische Landesgeschichte nach 1945 kann schwerlich überschätzt werden. Das Depositum ist darüber hinaus aber auch für die allgemeine westdeutsche Nachkriegsgeschichte von Interesse. Stichwortartig zusammengefasst seien folgende Schwerpunkte herausgegriffen, die bei der Verzeichnung auffielen:

Wiederbeginn des politischen Lebens unmittelbar nach dem Zusammenbruch, Verhältnisse des Jahres 1945 ("Jahr Null"), personelle und politische Kontinuitäten zwischen der Deutsch-Hannoverschen Partei und der Niedersächsischen Landespartei/Deutschen Partei sowie zwischen der Weimarer Republik und der Nachkriegszeit, Wiederaufbauprobleme jeglicher Art, Entnazifizierung, Entmilitarisierung, Demokratisierung, Flüchtlingsprobleme, englische Besatzungspolitik, Verhältnisse in anderen Besatzungszonen und in Berlin, Ostzone, Kalter Krieg, andere Parteien und politische Organisationen, Interessenverbände, Gewerkschaften, die CDU (vgl. insbesondere Nr. 375), "Niederdeutsche Union", Rechtsradikalismus in jeder Form, Entstehung der Bundesrepublik und ihrer Institutionen, Hineinwirken in die Bundespolitik, Remilitarisierung, Diskussion um Wehrmacht und Bundeswehr, Monarchischer Gedanke, Nationalismus und Nationalgedanke, Föderalismus, Konservativismus, Entstehung des Landes Niedersachsen und seiner Einrichtungen, niedersächsische Landespolitik, niedersächsische Ministerpräsidentschaft Hellweges, niedersächsische Heimatpolitik und Heimatideologie.

Neben diesen allgemeinpolitischen Komplexen kann aufgrund des Depositums die Binnenstruktur, Organisation, Arbeitsweise, Ideologie und Propaganda einer bundesdeutschen Nachkriegspartei in ihrer ganzen Breite von der lokalen Basis bis herauf zur Parteiführung detailliert untersucht werden. Die Querverbindungen zu Verwaltung, Wirtschaft, Kirchen und anderen Parteien zeichnen sich deutlich ab. Der innerparteiliche Kampf um

die Macht äußert sich unverhüllt in allen seinen persönlichen Aspekten.

Das Depositum bietet im Verein mit den wertvollen hiesigen Parteibeständen Hann. 310 I (NSDAP, Gau Südhannover-Braunschweig) und Hann. 310 II (SPD, Bezirk Hannover) eine reiche Quellenbasis für die niedersächsische Parteigeschichte des 20. Jahrhunderts dar. Von dem für die Vorgeschichte der NLP/DP wichtigen Archiv der Deutsch-Hannoverschen Partei, das um 1955 zerschlagen worden ist, sind gegenwärtig nur noch Reste fassbar (vgl. unten unter "Verwandte Bestände").


IV. Parallelbestände

Deutsch-Hannoversche Partei, Reste des 1955 zerschlagenen Parteiarchivs vorhanden in:
Hann. 310 III (Deutsch-Hannoversche Partei)
Hann. 91 Matthes
VVP 466 (Heimatbund Niedersachsen): enthält diverse DHP-Archivalien
Bundesarchiv Koblenz: ZSG 103 (Presseausschnittsammlung Lauterbach) und ZSG 1: Kernbestand des ehemaligen DHP-Archivs
Privatarchiv Heinrich Hellwege in Neuenkirchen (bei Horneburg, Kreis Stade)

VVP 5 Nachlass Kwiecinski

VVP 4 Nachlass Ludewig

Werksarchiv der Ilseder Hütte in Peine: Nachlass Wolfgang Bode

Bundesarchiv Koblenz: Nachlass Wilhelm Heile (vgl. Gz. 897/74)

Bundesarchiv Koblenz: Zeitgeschichtliche Sammlung (enthält 4 Pakete Parteidrucksachen der Deutschen Partei)

Archiv des Deutschen Bundestages in Bonn: einige Schriftwechsel - Dienstregistratur Spez. D-2-7 der DP (vgl. Gz. 928/74); angeblich auch sämtliche Protokolle der DP-Fraktionssitzungen beim Bundestag (vgl. StA 2400/69) - nach tel. Auskunft von Frau Loges, Bundestagsarchiv, v. 07.11.1990 - kein Protokoll vorhanden. (vgl. Dienstregistratur: Spez. D-2-7)

Privatarchiv Heinrich Hellwege in Neuenkirchen:
Protokolle der Sitzungen, des Bundesausschusses und des Grundsatzausschusses der DP, Briefe und Rundschreiben des Parteivorsitzenden, vertrauliche Aufzeichnungen des Generalsekretärs (vgl. auch Gz. 1548/73

und Tgb.-Nr. 2400/69)

Archiv der Fraktionen der DP im Niedersächsischen Landtag in Hannover:
Protokolle der Sitzungen der DP-Fraktion

Weitere Privatarchive betr. DP: vgl. H. Meyn, Die Deutsche Partei (Düsseldorf 1965), S. 163

Prozessakten betr. Deutsche Partei: vgl. Nds. A 751 I, Nr. 164, 177, Nds. A 720, acc. 22/71, Nr. 55

Nachlass Ludwig Alpers: vgl. Tgb.-Nr. 1263/61 und 1779/61

Nachlass Georg Friedrich Konrich: vgl. Spez. E 5 vol. II, Blatt 381-387; Gz. 254/72

Nachlass Karl Biester: vgl. Tgb.-Nr. 1824/62

Hannover, im März 1975
gez. Dr. Dieter

Lent

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen 

Abgeschlossen: Nein

teilweise verzeichnet

Georeferenzierung

Bezeichnung 

Niedersachsen

Zeit von 

1946

Zeit bis 

1993

Objekt_ID 

1

Ebenen_ID 

200