NLA HA Hann. 320/I

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel 

Hausfrauenverein Hannover

Laufzeit 

1909-1935

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung 

Vereinsarbeit, Vorstand, Tätigkeitsberichte, allgemeine Korrespondenzen, Hauswirtschaftliche Ausbildungswesen, Lehrkurse, Wohlfahrtspflege, Wohnungsbau, Ausstellungen, Zeitschrift, Landesverband Hannover, Reichsverband Deutscher Hausfrauenvereine und andere Hausfrauenorganisationen
Findmittel: EDV-Findbuch
Umfang: 3 lfdm

Bestandsgeschichte 

Der vorliegende Bestand gelangte am 7. Dezember 1936 in das Staatsarchiv Hannover, erhielt aber keine Accessionsnummer. Da das Geschäftstagebuch des Jahres 1936 infolge Kriegseinwirkung vernichtet ist und auch die erhaltenen Dienstakten keine einschlägigen Nachrichten enthalten, sind nähere Einzelheiten hinsichtlich der Übernahme nicht zu ermitteln.

Der "Hausfrauenverein für Hannover-Linden und Umgebung" (später nur für Hannover) wurde zur Behebung der wirtschaftlichen Kriegsnöte am 27. August 1915 als Ortsgruppe des seit Mai 1915 bestehenden "Reichsverbandes Deutscher Hausfrauenvereine e.V." gegründet. Die Ortsgruppe hatte einen Vorgänger in dem schon vor 1914 wirkenden "alten Hausfrauenverein in Hannover". Im Mai 1916 zählte der Verein bereits 2.000 Mitglieder, unter denen nach eigenen Angaben des Vereins der einfache Mittelstand dominierte.

Seit 1915 waren die übrigen Ortsgruppen der Provinz Hannover innerhalb des Reichsverbandes Deutscher Hausfrauenvereine e.V. (R.D.H.) im Landesverband Hannover (später Landesverband Hannover-Braunschweig) zusammengeschlossen, der aus einem Arbeitsausschuss erwachsen ist. Dieser Landesverband zählte 1933 insgesamt 27 Ortsgruppen und wurde bis etwa 1934 durch Franziska Wiemann aus Osnabrück geleitet. Die Landesverbandsvorsitzende war eine Mitbegründerin des Reichsverbandes Deutscher Hausfrauenvereine e.V. und seit 1915 auch Vorstandsmitglied dieses Dachverbandes.

Im Jahre 1925 war der Hausfrauenverein Hannover zugleich dem "Bund Deutscher Frauenvereine", dem hannoverschen "Provinzialverband der landwirtschaftlichen Hausfrauenvereine" sowie dem "Frauenstadtbund" angeschlossen. Die dem Hausfrauenverein Hannover zunächst angeschlossenen Landhausfrauen verselbständigten sich später zum "Verband hannoverscher landwirtschaftlicher Hausfrauenvereine".

Nach 1918 wandelte sich der Hausfrauenverein, über die unmittelbaren

kriegsbedingten Ziele hinauswachsend, in eine erklärte Interessenvertretung um, die vor allem Einfluss in den maßgeblichen Parlamenten sowie Reichs-, Landes- und Stadtbehörden anstrebte und mit den verschiedenen zweck-, interessen- oder wohlfahrtsorientierten Organisationen, Verbänden und Vereinigungen zusammenarbeitete. So war der Hausfrauenverein u.a. in folgenden staatlichen, kommunalen und wirtschaftlichen Dienststellen bzw. Einrichtungen - teilweise mit Sitz - tätig: Ersatzmittelprüfstelle, Preisprüfungsstelle, Kohlenwirtschaftsstelle, Landesarbeitsamt, Städtisches Arbeitsamt, Kartoffelpreisausschuss, Zuckerkontrollstelle, Verbraucherkammer. Eine Zusammenarbeit fand vor allem mit der Landwirtschaftskammer, dem Handwerk, dem Einzelhandel, dem Kunsthandwerk sowie mit kulturellen, wirtschaftlichen und sogenannten vaterländischen Gruppen statt. Der Verein unterhielt zeitweise neben dem Geschäftslokal eigene Beratungs- und Verkaufsstellen, Notstandsküchen und eine eigene Hausgehilfinnenschule. Hervorzuheben ist bei der allgemeinen Vereinspolitik insbesondere die nationale Tendenz sowie das Eintreten und Werben für deutsche Waren. Besondere Schwerpunkte der praktischen Vereinsaktivität bildeten ferner neben den Kriegswirtschaftsfragen das hauswirtschaftliche Ausbildungswesen, die Haushaltsgehilfenfrage (Kampf gegen den Entwurf des Reichshausgehilfengesetzes von 1928), Rationalisierung im Haushalt, Haushaltstechnik und Haushaltswarenindustrie, Preisgestaltung für Haushaltswaren und Nahrungsmittel, Wohnungsbauwesen sowie Wohlfahrt, Not- und Hilfsdienste. Einen breiten Raum nahmen auch ideologische Fragen - wie die Ethik der Hausfrau, der Familie, der Dienstboten sowie die entsprechenden Erziehungsprobleme - in der Vereinsdiskussion ein. Der Hausfrauenverein setzte sich auch für ein landwirtschaftliches Pflichtjahr (Dienstjahr) ein und arbeitete eng mit

Wohnungsdienststellen und Architekten zwecks Einflussnahme auf den Wohnungsbau zusammen.

Als Vorsitzende des Hausfrauenvereins fungierten bis zum Jahre 1919 nacheinander folgende Damen: Neuß, Landwehr, Drees, Meiners, Gräfenhain; von 1919 bis Ende 1925 führte Frau Hornkohl den Verein und von Januar 1926 bis zur Vereinsauflösung 1935 war Berta Hindenberg-Delbrück Vorsitzende. Die letztgenannte, am längsten amtierende Vorsitzende war seit 1926 auch Stellvertretende Vorsitzende im Landesverband Hannover des Reichsverbandes Deutscher Hausfrauenvereine e.V. Im Reichsverband Deutscher Hausfrauenvereine nahm sie ebenfalls eine führende Position ein, von 1925-1926 als Stellvertretende Vorsitzende, seit 1926 als Mitglied des Gesamtvorstandes und seit 1934 als Mitglied des sogenannten kleine Führerringes.

Der Hausfrauenverein gab seit April 1926 ein Monatsblatt "Mitteilungen" heraus.

Zum 31. Dezember 1935 löste sich der Hausfrauenverein Hannover im Zuge der Gleichschaltung als Ortsgruppe des Reichsverbandes Deutscher Hausfrauenvereine e.V. auf. Den Mitgliedern wurde empfohlen, durch Einzeleintritt in die Abteilung Volkswirtschaft des Deutschen Frauenvereins, Kreis Hannover-Stadt, die bisherige Arbeit fortzusetzen.

Zur Ordnung und Struktur des Bestandes ist anzumerken, dass ein Großteil der Faszikel - abgesehen von den reinen Korrespondenzserien -, Material verschiedensten und vielfältigsten Inhalts enthält, das nicht in jedem Fall im Aktentitel erscheinen konnte, Hervorzuheben sind insbesondere die zahlreichen Werbematerialien von Firmen, Verbänden usw. sowie die Flugblätter und Aufrufe zahlreicher Organisationen. Vor der Neuordnung war die innere Struktur des Bestandes total zerstört und 2/3 der Akteneinheiten in löse Blätterkonglomerate aufgelöst. Die Aktentitel können deswegen nur die Hauptbetreffe des oft diffusen Faszikelinhalts erfassen. Als Fremdprovenienzen

sind Nr. 61 und Nr. 71 zu nennen.

Für die Forschung dürfte der vorliegende Bestand unter folgenden herausgegriffenen Themenstellungen von besonderem Belang sein, was aus der Bestandsbezeichnung nicht ohne weiteres ersichtlich ist: Vereinsgeschichte allgemein, Verbände, Vereine, Parteien, Kriegswirtschaft, Inflation, Auseinandersetzungen mit der NSDAP, Gleichschaltung nach 1933, Nationalismus, Frauenemanzipation, Wandlungen im Selbstverständnis de Frau, ethische Vorstellungen über Hausfrauen, Familie und Erziehung, Standesfragen, soziale Frage (Hausgehilfinnenprobleme), Rationalisierung und Technisierung im Haushalt, Geschichte der Werbung und Haushaltswarenindustrie, Wohltätigkeit, Ernährungswesen.

Durch die führende Stellung der hannoverschen Ortsgruppenvorsitzenden Berta Hindenberg-Delbrück im Reichsverbandes Deutscher Hausfrauenvereine e.V. und in dessen hannoverschem Landesverband hat der vorliegende Bestand auch eine gewisse überlokale Bedeutung.

Weitere Informationen sind in folgenden Archivalien zu finden: Protokollbuch des Frauenvereins, später Wöchnerinnenvein Hannover, 1813-1907 in: Kleine Erwerbungen A 28; Angelegenheiten des hannoverschen Hausfrauenvereins, 1921 in: Hann. 180 Hannover E1 Nr. 148a

Hannover, im Juni 1975
gez. Dr. Lent



Der Bestand ist mit Hilfe von Praktikanten EDV-technisch erschlossen worden.

Hannover, im Februar

2003

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen 

Abgeschlossen: Nein

teilweise verzeichnet

Georeferenzierung

Bezeichnung 

Hannover, Stadt [Wohnplatz]

Zeit von 

1

Zeit bis 

1

Objekt_ID 

2369

Ebenen_ID 

1

Georeferenzierung

Bezeichnung 

Linden (Stadt Hannover) [Wohnplatz]

Zeit von 

1

Zeit bis 

1

Objekt_ID 

2379

Ebenen_ID 

1