NLA HA Dep. 110

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel

Grafen/Fürsten Münster von Derneburg: Urkunden und Akten

Laufzeit

1269-1953

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung

Nachlass des Staatsministers Ernst Herbert Graf Münster, u.a. Akten zu der Familie, dienstliche Akten, u.a. Hannoversche Landessachen, Verfassung und Organisation, Personal- und Familienpapiere, Ältere Münstersche Familienpapiere, Guts- und Klosterakten, Kartensammlung, Register und Rechnungen
Findmittel: EDV-Findbuch 2011
Umfang: 62,4 lfdm

Bestandsgeschichte

I. Geschichte der Grafen/ Fürsten von Münster zu Derneburg

Die Herren von Münster (Mönster) sind seit dem späten 12. Jahrhundert als westfälisches Adelsgeschlecht nachweisbar. Bis zur frühen Neuzeit waren sie, vom Stift Münster ausgehend, in Nordwestdeutschland und den östlichen Niederlanden weit verbreitet, konnten jedoch keinen größeren Besitzkomplex aufbauen bzw. dauerhaft erhalten. Da sie sich außerdem der Reformation angeschlossen hatten, beschränkte sich ihr Heirats- und Wirkungskreis auf die lutherischen Familien des Hochstifts Osnabrück. Aus der lokalen Enge führte die Familie heraus der jüngste Sohn des Iburger Drosten Georg von Mönster auf Surenburg, Ernst Friedrich Herbert. Im Jahr 1792 erreichten er und seine beiden Brüder bzw. deren Erben die Erhebung in den (Reichs)Grafenstand. Entscheidend für sein weiteres Schicksal war wohl, dass er als Göttinger Student Anschluss an die dort studierenden Söhne Georgs III. gefunden hatte und als Reisebegleiter des Prinzen August, späteren Herzogs von Sussex, ausgewählt wurde. Mit diesem hielt sich der junge kunstverständige Adlige von 1793 bis 1798 vornehmlich in Italien auf. Eine rasche Karriere folgte: 1801 bis 1804 hannoverscher Gesandter in Petersburg, von 1805 bis 1831 hannoverscher Minister bei der Person des Königs in London. In Anerkennung seiner Verdienste im Kampf gegen Napoleon und um die Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongress und den folgenden Kongressen verlieh ihm der König 1815 als Dotation das 1803 aufgehobene, vormals stift-hildesheimische Kloster Derneburg. Wegen seiner zunehmend reaktionären Haltung wurde Münster 1831 entlassen. Er zog sich in den letzten Jahren nach Derneburg zurück.

Die Familie brachte in der folgenden Generation noch eine für die deutsche Geschichte bedeutsame Gestalt hervor. Graf Georg Herbert, der jüngste und einzige Sohn, folgte den väterlichen Spuren als Diplomat.

Er heiratete eine Russin und wurde 1857 bis 1865 hannoverscher Gesandter in Petersburg. Seine Stunde schlug nach 1866. Weil er die Annexion nicht verhindern konnte, stellte er sich früh auf den Boden der Tatsachen. Daher gehörte er zu den wenigen in preußische Dienste übernommenen Spitzenbeamten und wurde 1873 deutscher Botschafter in London, 1885 in Paris; 1900 erhielt er den Abschied. Er gilt als einer der besten Diplomaten der Bismarckzeit.

Im calenbergischen Adel haben die Münster niemals Fuß gefasst, sie standen weit über ihren Standesgenossen. Ausländisch, überwiegend mit Engländerinnen verheiratet, lebten sie häufig fern von Deutschland.


II. Bestandsinformation

Seit Anfang der 1950er Jahre wurde der Derneburger Besitz sukzessive verkauft. In diesem Zusammenhang wurde im Oktober 1974 das Archiv dem Staatsarchiv Hannover übergeben und damit eine wertvolle Quelle der landeshistorischen Forschung geöffnet.

Als schützenswertes Derneburger Archiv führt ein Beschluss des Celler Fideikomisssenats vom 10. September 1948 zwei Gruppen auf: etwa 30 Fach Kloster- und Patrimonialgerichtsakten einschließlich Ablösungs- und Verkoppelungsakten sowie den in zwei Schränken befindlichen und geordneten Schriftwechsel und sonstiger Nachlass des hannoverschen Staatsministers Georg Grafen Münster. Damit sind die beiden Archivkerne richtig umschrieben. Bei genauerer Durchsicht ergab sich jedoch, dass zwar das Gutsarchiv eine relativ klar abgrenzbare Einheit bildet, dass der sog. Nachlass des Staatsministers aber mindestens aus drei Provenienzen besteht: dienstlicher Schriftwechsel, Familienpapiere, Sammlungen. Daran schlossen sich später entsprechende Papiere des Botschafters an, die jedoch zum größeren Teil nur nach einer Liste bekannt sind, sowie weiteres familiäres Schriftgut, insbesondere Fotoalben.

Das Archiv trägt zwar auch den Charakter eines adligen Guts- und

Familienarchivs. Es weicht aber vom üblichen Typ ab, weil es weder aus den Lehens- und Besitzurkunden, noch aus der jahrhundertelangen Güterverwaltung eines alteingesessenen Adelsgeschlechts erwachsen ist. Die Archivbildung hängt vielmehr eng mit dem Aufstieg des hannoverschen Ministers Ernst Graf Münster (1766-1839) und dessen politischen und wirtschaftlichen Aktivitäten zusammen.


III. Bestandserschließung

Den als Nachlass bezeichneten Teil hatter der Minister, Graf Ernst, selbst in Ordnung zu bringen versucht, später hat seine Witwe Rotuli gefertigt, eine grobe Ordnung durch Signaturen fixiert. Diese taucht in einem knappen Findbuch auf, das Anfang 1939 Wilhelm Hartmann im Auftrag des Staatsarchivs Hannover herstellte. Danach waren 9 Abteilungen vorhanden, welche Carl Haase Mitte der 1970er Jahre seinem verbesserten Findbuch zugrunde legte. Haase begnügte sich jedoch nicht mit der älteren Gliederung, sondern formierte eine Art Auslesebestand, indem er sämtliches nicht zum Gutsarchiv gehöriges Schriftgut, das in irgendeinem Zusammenhang zum Grafen Ernst stand, zu dessen Nachlass nahm. Auf diese Weise wurden die anderen Archivabteilungen ausgehöhlt. Eine neuere Bearbeitung verbietet sich aber schon deswegen, weil das Findbuch zum (Teil)Bestand "Nachlass Ernst Friedrich Herbert Graf Münster" unter die Veröffentlichungen der Niedersächsischen Archivverwaltung aufgenommen und verbreitet worden ist.

Bei den übrigen Archivabteilungen wäre eine Neuordnung, insbesondere eine Straffung des Aufbaus, erwünscht. Das gilt auch für das Gutsarchiv. Im ganzen ist das Gutsarchiv vom Inhalt und Umfang her eher dürftig. Offenbar sind nach der Säkularisation nur Reste des Klosterarchivs in Derneburg geblieben. Bis zum Zweiten Weltkrieg besaß das Staatsarchiv immerhin 197 Derneburger Urkunden und zwei Kopiare des 15./16. Jahrhunderts. Sie sind 1943 verbrannt. Aber auch der

über den Krieg gerettete Bestand Derneburger Akten umfasst lediglich 5 Fach. Ob und inwieweit Gutsakten an den neuen Besitzer übergegangen sind, ist nicht bekannt.

Bei verschiedenen Bestandsrevisionen im März 1976 sowie im Mai 1983 wurden die folgenden Signaturen aus dem Nachlass des Grafen Georg Herbert zu Münster (Dep. 110 B) als fehlend festgestellt: Dep. 110 B Nrn. 41-43, 45-49 sowie 57 u. 59. Des Weiteren fehlen die Memoiren Münsters, die bereits bei der Verzeichnung nicht vorhanden waren und höchstwahrscheinlich nicht an das Hauptstaatsarchiv abgegeben wurden.
Darüber hinaus fehlen in dem Bestandsteil Dep. 110 C die ursprünglich vorhandenen Signaturen Dep. 110 C Nrn. 70-100, die wohl ebenfalls niemals in das Archiv gelangt sind sowie im Bestandsteil Dep. 110 D die Signatur Dep. 110 D Nr. 11.


IV. Benutzung

Die Archivalien der Abteilung A (Nachlass Ernst Graf Münster) stehen der wissenschaftlichen Benutzung offen. In der Abteilung C sind einige Akten (Signaturen: Dep. 110 C Nrn. 46, 54-56 u. 58) aus familiären Rücksichten vollständig gesperrt.


V. Hinweis:

Die im staatlichen Besitz befindlichen Akten des Klosters Derneburg sind in dem Bestand Hild. Br. 3,5 überliefert. Weitere Akten aus der Zeit der calenbergischen Herrschaft sind in dem Bestand Cal. Br. 10 (Registratur über das "Große Stift" Hildesheim) zu finden.


VI. Literaturhinweise

Ferdinand Frensdorff, Ernst Graf von Münster, in: Allgemeine Deutsche Biographie 23 (1886), S. 157-185;

Findbuch zum Bestand Nachlass Ernst Friedrich Herbert Graf Münster 1766-1839: (Dep. 110,A: Teil des Bestandes Dep. 110, Familien- und Gutsarchiv Derneburg), Göttingen 1978 (Veröffentlichungen der Niedersächsischen Archivverwaltung, Inventare und kleinere Schriften des Hauptstaatsarchivs in Hannover 1).

Carl Haase (Hg.), Das Leben des Grafen Münster 1766-1839: Aufzeichnungen seiner Gemahlin Gräfin

Wilhelmine, geb. Fürstin zu Schaumburg-Lippe, Göttingen 1984 (Veröffentlichungen der niedersächsischen Archivverwaltung 43).

Kurt Krausnick, Ernst Graf Münster in der europäischen Politik von 1806-1815, Bielefeld 1936.

Josef Nolte (Hg.), Ernst Friedrich Herbert Graf zu Münster: Staatsmann und Kunstfreund; 1760-1839; ein Kolloquium aus Anlass seines 150. Todestages in der ehemaligen Orangerie zu Derneburg am 8. Dezember 1989, Hildesheim u. a. 1991 (Veröffentlichungen des Landschaftsverbandes Hildesheim e.V. 1)

Herbert von Nostitz, Bismarcks unbotmäßiger Botschafter : Fürst Münster von Derneburg 1820-1902,
Göttingen 1968.

Ernst Georg Graf zu Münster, Die Grafen zu Münster : familienkundliche Notizen 1100-1980, Schwäbisch-Gmünd 1981.

Claudia Pollich-Post, Leben in Büchern: die Derneburger Bibliothek des hannoverschen Staatsministers Ernst Friedrich Herbert Graf zu Münster und seiner Frau Wilhelmine Charlotte, geb. Gräfin zu Schaumburg-Lippe als kulturhistorisches Dokument und biografische Quelle, Hildesheim 2008 (Hildesheimer Beiträge zur Kulturgeschichte 1)

Nicolaus Strube, Ästhetische Lebenskultur nach klassischen Mustern: der hannoversche Staatsminister Ernst Friedrich Herbert Graf zu Münster im Lichte seiner Kunstinteressen, Hannover 1992 (Veröffentlichungen der Historischen Kommision für Niedersachsen u. Bremen: Quellen und Untersuchungen zur allgemeinen Geschichte Niedersachsens 35)

Winfried Sühlo, Georg Herbert Graf zu Münster: Erblandmarschall im Königreich Hannover; ein biographischer Beitrag zur Frage der politischen Bedeutung des deutschen Uradels für die Entwicklung vom Feudalismus zum industriellen Nationalstaat, Hildesheim 1968 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen : Reihe 32; Niedersächsische Biographien 2).


Hannover, im Juni

2012

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen

teilweise verzeichnet