NLA HA Dep. 103 XXVI

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel

Oberhofmarstalldepartement

Laufzeit

1652-1920

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung

Die Benutzung des Bestandes unterliegt der Genehmigung des Depositars.

Bestandsgeschichte

Dep. 103 XXVI: Geschichte des Oberhofmarstalldepartements

Als im Jahre 1705 die Fürstentümer Lüneburg und Calenberg vereinigt wurden, konnte der Kurfürst Georg Ludwig über zwei Marställe in Hannover und Celle sowie über die Gestüte Memsen und Neuhaus, die in der Grafschaft Hoya und im Solling lagen und die Gestüte Radbruch und Behre im Fürstentum Lüneburg verfügen. Das Oberstallmeisteramt als zentrales Verwaltungsamt für die Kurfürstlichen Ställe und Gestüte lässt sich zwar erst 1737 nachweisen, doch es kann vermutet werden, dass schon vor dem Jahre 1720 die Aufsicht über die beiden Marställe mit der Verwaltung der Gestüte verbunden wurde. Seit 1676 hatte der Oberstallmeister in Hannover Inventare der ihm unterstellten Pferde, Menschen und Sachen an die Kammer abzuliefern. Die Kammer - anfangs eine Deputation des Geheimen Rates, dann ein selbständiges Kollegium - blieb bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts die vorgesetzte Behörde für die Verwaltung der Marställe und Gestüte.

Zur Förderung der Pferdezucht wurde 1737 das Landgestüt in Celle gegründet, dessen Unterstellung unter den Oberstallmeister seit 1745 nachzuweisen ist. Zur Unterbringung der nötigen Jungtiere für das Landgestüt plante die Kammer die Wiedereinrichtung des im Jahr 1731 eingegangenen Gestütes Neuhaus im Solling; allerdings wird erst 1766 Neuhaus als Kurfürstliches Gestüt erwähnt. 1765 taucht für das Oberstallmeisteramt die Bezeichnung Marstalldepartement auf, diesen Namen änderte man bald darauf in den Titel "Oberhofmarstalldepartement" um.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ist das Bemühen des Departements deutlich, die Zahl der Marställe und der Gestüte zu reduzieren. Nachdem der Marstall in Celle seit 1765 verkleinert worden war, zog man 1784 die restlichen Pferde aus Celle ab. Das Maultiergehege in Radbruch verlegte man nach dem Gestüt Behre; Memsen und Radbruch wurden vergößert.

Nach einem Vorschlag des Oberstallmeisters von Mahrenholtz erfolgte 1779 die Gründung der Vieharzneischule in Hannover, die dem Marstalldepartement unterstellt wurde. Gegen Ende des Jahrhunderts - 1799 - löste sich das Landgestüt vom Marstalldepartement. In diesen Jahren ist innerhalb des Departements ein stärkeres Hervortreten des Kommissars zu beobachten, dem die Rechnungslegung und die Führung eines Großteils der schriftlichen Verwaltungsgeschäfte oblag. Das Amt des Gestütsinspektors, der die Gestüte zu kontrollieren hatte, wurde 1799 abgeschafft.

Die französische Invasion und die preußische Besetzung des Kurfürstentums verursachten eine erhebliche Verminderung der Pferde des Departements. Obwohl ein Teil der Tiere nach Mecklenburg und Sachsen geflüchtet wurde, konnten nur wenige Pferde weiter nach England gebracht werden. Mühsam mussten die Gestüte nach 1805 einen Wiederaufbau ihrer Zucht versuchen.

Im Mai 1809 wurde das Oberhofmarstalldepartement durch den französischen Domänendirektor D'Aubignosc aufgehoben, seine Pertinenzien wurden kaiserliche Domänen. Der Versuch, das Departement zu retten, in dem das Landgestüt als Generalpächter auftrat, scheiterte, lediglich Neuhaus trat unter die Verwaltung des Landgestütes. Die Wiederherstellung des Departements erfolgte im November 1813. Der Abbruch der Kontinuität des Departements spiegelt sich auch in der alten Registraturordnung des Marstallverwaltung wieder. Die sogenannte ältere Registratur enthielt Akten aus der Zeit vor 1809, die der französische Domänendirektor 1809 in die Garnisonkirche und später in die Schlosskirche bringen ließ. 1829 befanden sich diese Akten im Heumagazin und wurden 1840 durch den Oberbereiter Eicke verzeichnet. Die "neue" Registratur, die die nach 1813 entstandenen Akten enthielt, erfuhr 1830 eine Verzeichnung.

Nach 1820 scheitere der Versuch, in Rotenkirchen ein neues Gestüt

anzulegen. Die vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts sehen das Marstalldepartement im engsten Zusammenwirken mit dem Landgestüt Celle; ihren gemeinsamen Bemühungen gelang es, die Pferdezucht im Königreich Hannover zu verbessern. Der dauernde Aufenthalt des Landesherrn im Königreich seit 1837 blieb auf die Organisation der Gestüte nicht ohne Folgen. 1839 wurden die Gestüte Memsen und Behre aufgegeben, 1844 richtete das Departement das Gestüt Herrenhausen ein. Die Tierarzneischule in Hannover untersteht nach 1845 dem Innenministerium.

Mit dem Jahr 1866 endet die Geschichte des Oberhofmarstalldepartements, der größte Teil der Pferde wurde 1867 nach Wien transportiert, allerdings blieb das Gestüt Herrenhausen bis 1928 bestehen.

Hannover, im Februar 1974
gez. Dr.

Schöningh

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen

Abgeschlossen: Nein

teilweise verzeichnet