NLA HA Dep. 103 XXI

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel 

In Gmunden fortgeführte Zentralakten

Laufzeit 

1549-1938

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung 

Die Benutzung des Bestandes unterliegt der Genehmigung des Depositars.

Bestandsgeschichte 

Dep. 103 XXI: Gmundener Zentralbehörden

Der Bestand XXI "Gmundener Zentralbehörden" ist gebildet aus Akten des als Bestand XXXVIII "Zuwachs" in Archiv gekommenen ungeordneten Fonds.

Es handelt sich im wesentliche um Akten, die nach 1866 zunächst in Hietzing bei Wien, später in Gmunden entstanden sind und zwar einmal in der Verwaltung des Königs Georg V. von Hannover, bzw. nach seinem Tod Ernst August, Herzog von Cumberland, zum anderen, - teilweise auch als Nachlassgut - in den persönlichen Sekretariaten verschiedener Mitglieder des königlichen Hauses (vor 1866 im Kabinett Georgs V.).

Aus dem gesamten Material herausgezogen und in einem eigenen Bestand XIV formiert wurden die Akten der Vermögensverwaltung in Wien (bzw. Hietzing, Penzing).

Einige Korrespondenzen wurden dem Teil II des Depositums zugeführt. Darüber hinaus wurden folgende Akten auf andere Bestände verteilt, wie es das ursprüngliche Willis'sche Konzept für den ganzen "Zuwachs" vorsah:

Zu III "Domestica" die Nrn.: 77,1; 14,1; 84,1; 19,1; 195,1; 221,1; hierbei handelt es sich um Akten, die als "Domestica" entstanden sind

Zu IV "Hofämter" die Nrn. 13,1; 14,1; 26o); 66,1; dies sind alles Akten aus dem ehemaligen "Ministerium des königlichen Hauses" vor 1866; die Nrn. 173 IV; 178,1; 178 III; 179,1; Akten der Silberkammer vor 1866, sie hätten auch in Kapitel 2.D. dieses Bestandes gelegt werden können.

Zu VIII "Kabinettsakten betr. Auswärtige Politik" die Nrn. 9,1; 32,1: 41,1; 615 a; es sind Akten vor 1866 oder solche, die sich bestimmten Vorakten anschließen.

Zu XVI "Braunschweig" die Nr. 116, ein Rechnungsbuch der herzoglichen Hofstaatskasse, das eigentlich zu den in Wolfenbüttel lagernden Beständen gehört, das aber der Einfachheit halber hier am Ende angefügt wurde.

Die übrigen Bestandteile des ehemaligen "Zuwachses", ergänzt durch einige Akten aus den Korrespondenzen (Dep. 103 II)

bilden einen Fonds von 1031 Titeln, der neben der "Vermögensverwaltung" (Dep. 103 XIX), der "Obersten Verwaltung" - nach 1910 (Dep. 10 XX), "Domestica" (Dep. 103 III), den "Braunschweigischen Akten" (Dep. 103 XVI) und den "Nachlässen" (Dep. 103 XVII) den überwiegenden Teil der nach 1866 in Gmunden erwachsenen Registratur des königlichen Hauses enthält.

Der Bestand XXXVIII wurde vor allem auch deshalb aufgelöst, weil die hier liegenden Akten fast ausschließlich von Gmundener Provenienz sind. Weil das Archiv des Gesamthauses Braunschweig-Lüneburg aber so aufgeteilt ist, dass Nr. I - XXII die "Gmundener Abteilung", die folgenden Nummern aber die Abteilung der Marienburg bilden, musste der Gmundener Zuwachs vor die Nr. XXIII eingeordnet werden.

Ein völliges Aufteilen war nicht möglich, weil es keine Bestände gab, die die Akten des jetzigen Bestandes XXI logisch aufnehmen konnten. Da es sich nun hier um zentrale Teile der Verwaltung handelt, ist vom inneren Aufbau her die Position nach der Obersten Verwaltung am sinnvollsten, zumal die Kartensammlung ohne weiteres mit der Bildgutsammlung zusammengelegt werden bzw. dort eine Unterabteilung bilden konnte.

Wenn also der vorliegende Bestand die Nr. XXI erhalten soll, muss künftig die bislang noch nicht so stark benutzte Bildgutsammlung zu XXII werden; die noch unverzeichnete Kartensammlung wird später angegeliedert.

1. Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten; Allgemeine Verwaltung; Oberste Verwaltung

Trotz der unterschiedlichen Namen ist es jedes Mal dieselbe Abteilung. Graf Platen führte nach 1866 die Geschäfte als Außenminister weiter; die Bezeichnung als Ministerium wurde beibehalten, da Georg V. alles vermeiden wollte, was den Anschein erwecken konnte, er würde sich mit seiner Situation als abgesetzter Herrscher abfinden.
Nach dem Abgang des Grafen Platen 1870/71 wurde dennoch die alte Bezeichnung

fallen gelassen; es gab nunmehr nur noch die "Allgemeine Verwaltung", geleitet von Kabinettsrat Dr. Lex, der nach dem Tod Georgs V., dessen Privatsekretär er auch gewesen war, durch Prof. Dr. Maxen abgelöst wurde. Nach dessen Tod übernahm Kammerherr von der Wense die Leitung der Verwaltung, die wiederum 1910 in "Oberste Verwaltung" umbenannt wurde. Ein Wechsel in der Leitung hatte in der Regel auch Änderungen im Registraturschema zur Folge, so dass einige unterschiedliche Signaturen auf den Akten erscheinen, über deren nähere Bedeutung, falls nötig, im Manuskript von Geoffrey Malden Willis, Geschichte des Entstehens und Beschreibung des Aufbaus des Hausarchivs, sowie Vorschläge hinsichtlich dessen künftiger Benutzung und Gestaltung (Manuskript im Archiv) nachzulesen ist.

Inhaltlich hat dieses Kapitel einiges Interessante zu bieten, so die dienstliche Korrespondenz von u.a. Dr. Lex, Dr. Maxen, Graf Platen, Kohlrausch, v. Meding, Windthorst in politischen Angelegenheiten (Nr. 39-49); eine Anzahl Denkschriften politischer Art und literarischer Erzeugnisse (darin auch Akten über die Edition der Leibniz-Werke und das Geschichtswerk Onno Klopps, Nr. 57 ff); den gesamten Prozess um die Vorgänge in der "Wiener Bank" (Nr. 85-90, auch Personalakte Nr. 179) und Personalakten der Mitglieder der Allgemeinen Verwaltung.

2. Das Hofmarschallamt

Es schließt in etwa an die Bestände in der Marienburg an. Der Hofmarschall hatte laut hausgesetzlicher Vereinbarung von 1878 auch dem Haushalt der Königin Marie vorzustehen. Zwar sollte es ein eigener Hofmarschall sein, aber in der Praxis übte der Vorsteher des königlichen Hofes dieses Amt in Personalunion aus. Deshalb finden sich hier eine größere Anzahl Akten, die eher beim Sekretariat der Königin Marie vermutet würden.

Neben dem großen Bestand der Personalakten königlicher Diener und Angestellten finden sich hier auch

Hofhandbücher (Nr. 372-376), eine große Anzahl von Inventaren jeder Art.

3. Das Hofmarstallamt

Neben der Leitung in Gmunden sind hier auch Akten des Gestüts Herrenhausen, des älteren Hoya'schen Gestüts Memsen und des Stalles in München zu finden.

Wertvoll werden diese Bestände vor allem durch sehr zahlreiche Stammrollen und Stammtafeln von Pferden.
Enthalten sind auch Handakten des Stallmeisters H. Boedecker, des Oberstallmeisters von dem Bussche und des Sattelmeisters W. Bode.

4. Sekretariate

Das Sekretariat Georgs V. ist entstanden aus seinem Kabinett; Geheimer Kabinettsrat war Lex; er führte auch die Akten. Willis schreibt darüber: "Über den Geschäftsgang gibt folgendes Notatum des Geheimen Cabinetsrates Dr. Lex d.d. Hietzing 1867 Aufschluß: ...

An diesen Ausführungen verdienen zwei hervorgehoben zu werden. Erstens: Die erwähnten Aktenbestände (in der Kammer des Dr. Lex) bildeten die sogenannten "Cabinets-Akten" .... die "Cabinets-Akten" umfassen also alle Akten des Königs, auch die btr. die Hofämter. Zweitens: Diese Akten werden nicht nach Erledigung in die Registraturen der betr. Ministerien gebracht, gehörten also nicht zu den Ministerial- also Staatsakten, sondern blieben Akten des Königs, eine Tatsache, die nachträglich von erheblicher rechtlicher Bedeutung werden konnte, denn bei den gespannten, man möchte sagen bitter-feindseligen Verhältnissen, die nachher herrschten, hat Preußen nie darauf einen Anspruch erhoben."

Der Ausdruck "Kabinett" muss nicht als Ministerrat verstanden werden sondern im älteren Sinne als Rat der Kabinettssekretäre, hier nur noch alleine vertreten durch Dr. Lex - "Hand und Auge des Königs" -. Folgerichtig erscheinen später in seinem Sekretariat neben den erwarteten Eingangs- und Ausgangsbüchern mit Unterstützungsgesuchen, Dankschreiben, Glückwünschen, Patenschafts- oder Patronatsanträgen auch Hofmarstall-,

Hofmarschall- und Hofangelegenheiten sowie Berichte und Erlasse in Staatsangelegenheiten.
Die Sekretariate von Ernst August, Herzog von Cumberland, seinem Sohn Ernst August, sowie der Königin Marie, der Thyra und der anderen Mitglieder der Familie enthalten daneben eine größere Anzahl persönlicher Dinge, Nachlassgegenstände und Sammlungen (u.a. sind da Goethe-Briefe, ein Gedicht von Rückert, ein musikalisches Autogramm von G. Rossini, eine Urkunde von 1549 sowie verschiedene fremde Nachlässe zu finden).

Verzeichnis und Gliederung

Verzeichnet wurde der Bestand zunächst zu etwa einem Fünftel in der Zeit von April bis Oktober 1982 durch Herrn Dr. M .Wojtowytsch, zu vier Fünftel von Januar bis März 1983 von Herrn Battenberg. Das Findbuch schrieb Frau Krügler im April bis Mai 1983.

Die Gliederung ergab sich aus dem Vorhandenen. Die Provenienz war in der Regel eindeutig bestimmbar. Dennoch muss gesagt werden, dass sich die eigentliche Vielfalt der Akten und ihres Gehaltes nur über den Index oder ein genaues Studium des Findbuches erschließen lässt. Durch den ursprünglich teilweise völlig ungeordneten Zustand des Bestandes und seiner Glieder lässt sich hier für fast alle Bereiche etwas finden. Das trifft sowohl für die Politik zu wie auch für Kunst und Kultur, für Militärisches wie für Literarisches.

Hannover, 06.07.1983
gez.

Battenberg

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen 

teilweise verzeichnet

Abgeschlossen: Nein