NLA HA Nds. 1150

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel 

Grenzschutzkommando Nord, Hannover

Laufzeit 

1951-1998

Bestandsdaten

Geschichte des Bestandsbildners 

Die Einrichtung von Bundesgrenzschutzbehörden hatte bereits das Grundgesetz vorgesehen (Art. 87, BGBl. 1949, S. 1). Als 1951 in Berlin (Ost) die III. Weltfestspiele der kommunistischen Jugend und Studenten stattfinden sollten, alarmierte das die Regierung in Bonn. Man befürchtete heftige Agitationen an der Grenze. Diese Befürchtungen gaben den Anlass dafür, den Bundesgrenzschutz aufzubauen. Ein entsprechendes Gesetz trat in Kraft (BGBl. 1951 I, S. 201), in Folge dessen sog. Aufnahmestellen mit der Werbung und Musterung begannen. Im April 1951 wurden drei Aufstellungsstäbe gebildet. Dem Aufstellungsstab Hannover unterstanden die Aufnahmestellen 9 (Hannover), 10 (Lüneburg), 11 (Hamburg-Altona) und 12 (Osnabrück). Aus dem Aufstellungsstab in Hannover ging das Grenzschutzkommando Nord hervor.

Für das Grenzschutzkommando Nord waren vier Grenzschutzabteilungen zu errichten. Sie bezogen im Juni 1951 folgende Standorte: Nord I Hannover (bzw. Dedelsdorf), Nord II Holzminden, Nord III Braunschweig (bzw. Dedelsdorf), Nord IV Hamburg-Rahlstedt. Die GSA Nord I wurde 1952 zur Ausbildungsabteilung bestimmt. Nach dem Aufstand in der DDR am 17. Juni 1953 beschloss der Bundestag, den Grenzschutz um 10.000 auf dann 20.000 Mann zu verstärken. Gleichzeitig wurden die angeführten Grenzschutzabteilungen umbenannt und in den Grenzschutzgruppen 5 und 6 zusammen gefasst. 1956 verminderte sich der Personalbestand wieder, als man aus dem Grenzschutz Soldaten für die neue Bundeswehr rekrutierte. An der Struktur des GSK Nord änderte das zunächst nichts. Dem Kommando unterstanden die Grenzschutzgruppen 5 (Goslar) und 6 (Lüneburg, seit 1963 Uelzen). Zur GSG 5 gehörten 1968 die Abteilungen I (Goslar), II (Braunschweig), III (Duderstadt); zur GSG 6 die Abteilungen I (Lüneburg), II (Bodenteich), III (Uelzen), IV (Gifhorn).

Neben die allgemeinen Grenzschutzabteilungen traten nach und nach Spezialeinheiten: die Fernmeldehundertschaft Nord in Hannover, das Musikkorps GSK Nord in Hannover, die GS-Fliegerstaffel in Gifhorn (früher Braunschweig-Waggum), die Technische Abteilung in Winsen (früher Heidenau). Als Ausbildungseinheiten formierten sich die Abteilungen in Bodenteich und Walsrode. Eine besondere Bedeutung für die Überlieferungsbildung gewann die Unterabteilung Sicherheit des Kommandostabes, die spätere "Zentrale in Niedersachsen", die Informationen verschiedener Dienststellen sammelte, auswertete und in täglichen Grenzlagemeldungen verbreitete.

Das Bundesgrenzschutzgesetz von 1972 (BGBl. I, S. 1834) bezeichnete den Bundesgrenzschutz als Polizei des Bundes. Das Problem, eine Sonderpolizei des Bundes zu unterhalten, obwohl die Gefahrenabwehr den Ländern aufgetragen ist, erforderte genaue Festlegungen. Im Vordergrund sollte der Grenzschutz stehen, d. h. die Verhütung und Abwehr von Grenzverletzungen; daneben musste der Notstands- und Verteidigungsfall (GG Art. 91) berücksichtigt werden. Paragraph 9 sah auch eine Unterstützung der Landespolizeien vor. Schließlich sprach das Gesetz dem BGS die Aufgabe zu, Bundesorgane zu schützen.

Die verschiedenen, zum Teil neuen Einsatzmöglichkeiten verlangten nach einer entsprechenden Organisation. Die Grenzschutzgruppen wurden aufgelöst, die Grenzschutzabteilungen in Lüneburg (Nord 1), Uelzen (Nord 2), Gifhorn (Nord 3) Braunschweig (Nord 4), Goslar (Nord 5) und Duderstadt (Nord 6) direkt dem Grenzschutzkommando unterstellt. In dieser Gliederung versah das Grenzschutzkommando Nord seine Aufgaben bis 1992.

Erst das Ende der deutschen Teilung 1989/90 bewirkte eine grundsätzliche Änderung. Das Grenzschutzkommando Nord wurde zum 1. April 1992 aufgelöst; seine Zuständigkeiten gingen an das neue Grenzschutzpräsidium Nord in Bad Bramstedt bzw. das Grenzschutzpräsidium Ost in Berlin über. Dem Grenzschutzpräsidium Nord ist das Grenzschutz- und Bahnpolizeiamt Hannover nachgeordnet (BGBl. 1992 I, S. 794).

Stand: September 2000


Abkürzungen

ADN Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst
AKW Atomkraftwerk
BRD Bundesrepublik Deutschland
BFS British Frontier Service
BGS Bundesgrenzschutz
BMI Bundesminister des Innern
BTMG Betäubungsmittelgesetz
BW Bundeswehr
DDR Deutsche Demokratische Republik
DL Demarkationslinie
DRK Deutsches Rotes Kreuz
GrBtl. Grenzbataillon
GrKp. Grenzkompanie
GrRgt. Grenzregiment
GrSo Grenzsoldat(en) - Angehörige der Grenztruppen der DDR
GrTr Grenztruppen
GSA Grenzschutzabteilung
GSA E Grenzschutz-Einsatzabteilung
GSA T Technische Grenzschutzabteilung
GS-FlSt. Grenzschutz-Fliegerstaffel

GSG Grenzschutzgruppe
GSK Grenzschutzkommando
GSV Grenzschutzverwaltung
GÜSt Grenzübergangsstelle
GUG Grenzübergang
GWa Grenzwache
GZA Grenzzollamt
GZD Grenzzolldienst
Hrsg. Herausgeber
Kd. Kommando
Kdr. Kommandeur
Kfz Kraftfahrzeug
KK Kriminalkommissariat
Kp. Kompanie
Kripo Kriminalpolizei
LG Landgericht
LKW Lastkraftwagen
MG Maschinengewehr
Mot. motorisiert
MPi Maschinenpistole
N.N. Nomen nescio (Name unbekannt)
NVA Nationale Volksarmee
Oblt. Oberleutnant

OvD Offizier vom Dienst
PKE Paßkontrolleinheit
PKW Personenkraftwagen
POR Polizeioberrat
Reg. Regiment
S-Boot Streifenboot
SBZ Sowjetische Besatzungszone
SIK Sicherungskompanie
SM 70 Selbstschußanlage
StA Staatsanwaltschaft
SW Sonderwagen
T-Zug Technischer Zug
Uffz. Unteroffizier
U-Haft Untersuchungshaft
US United States of America
VoPo Volkspolizist
WaPo Wasserschutzpolizei
WaWe-Zug Wasserwerferzug
WBK Wehrbereichskommando
Wm i. Wachtmeister im
WSA Wasser- und Schiffahrtsamt (BRD)
WStA Wasserstraßenamt (DDR)
ZGD Zollgrenzdienst
ZMB Zollmotorboot

Bestandsgeschichte 

Die Akten des Bestandes Nds. 1150 gelangten in zwei Ablieferungen ins Archiv: den wichtigeren Teil gab 1992 der Abwicklungsstab Hannover des Präsidiums Nord ab (Acc. 108/92); die zweite Akzession kam aus der Ausbildungsabteilung Bodenteich (Acc. 56/98). Aus dieser Akzession sind die Akten mit den Signaturen Acc. 56/98 Nr. 57 bis Acc. 56/98 Nr. 65 nachträglich kassiert worden. Karten und Pläne wurden in die Kartenabteilung übernommen, wo sie zu den Mappen 1193, 1194, 1195, 1196, 1197, 1198, 1199 und 1202 vereint wurden. Drei Filmrollen (Acc. 108/92 Nr. 322 - 324) verwahrt das Staatsarchiv Bückeburg in seiner Klimakammer.

Parallele bzw. ergänzende Überlieferungen wären im Hauptstaatsarchiv Hannover in den Beständen Innenministerium (Nds. 100), Bezirksregierungen (Nds. 120), Landeskriminalamt (Nds. 147), Oberfinanzdirektion (Nds. 220) und Hauptzollämter (Nds. 1225) zu suchen. An fremden Archiven ist v. a. das Bundesarchiv zu nennen, daneben das Staatsarchiv in Wolfenbüttel.

Stand: August 2007

Enthält 

Verwaltungsakten, u.a. Liegenschaftsverwaltung, Offiziersdienstbücher, Grenzlagemeldungen, Meldung von Grenzzwischenfällen und Flüchtlingen, Planübungen, Objektschutz, Ausbildungsangelegenheiten

Literatur 

Dierske, (Ludwig) : Der Bundesgrenzschutz. Geschichtliche Darstellung seiner Aufgaben und Entwicklung von der Aufstellung bis zum 31. März 1963, (Bd. 1), Regensburg u. a. (1967), Bd. 2, Bonn 1975.

W. Ohrband: Der Grenzschutz in Deutschland seit dem Deutschen Reich von 1871 unter besonderer Berücksichtigung des Bundesgrenzschutzes, Diss. Speyer 1982.

Waldheim, Franz: Der Einsatz von Polizei, Bundesgrenzschutz und Zollbehörden in Niedersachsen. Rechtliche Grundlagen und Vergleich mit dem Recht der DDR, Diss. jur. Göttingen 1987.

Troschke, Jürgen: Bundesgrenzschutz, in: Görres-Gesellschaft. Staatslexikon, Bd. 1, 7. Aufl. Freiburg u. a. 1985, Sp. 909-911.

Grenzschutzkommando Nord. Die Geschichte des Grenzschutzkommandos Nord 1951 - 1991, Hannover 1991.

Weitere Angaben (Bestand)

Umfang in lfd. M. 

22,2

Bearbeiter 

Dr. Brage Bei der Wieden (2000)

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen 

teilweise verzeichnet

Abgeschlossen: Nein