StadtA H 3.NL.075

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Description

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Title 

Nachlass Kettler

Fonds data

Short description 

Der Nachlass der Familie Kettler besteht aus den Teilnachlässen der Frauenrechtlerin Hedwig Kettler, ihrer Töchter Mine und Elise, ihres Ehemanns, des Geografen Julius Kettler, dessen Bruder, Major Iwan Kettler, sowie einer familiengeschichtlichen Sammlung. Er wurde 1951 von Elise Kettler an die Stadtbibliothek Hannover übergeben, 1979 vom Stadtarchiv übernommen und in den Jahren um 1990 von Frau Marion Bock erschlossen. Ein analoges Findbuch ist im Lesesaal des Stadtarchiv Hannover einsehbar. Der Bestand soll in näherer Zukunft inhaltlich und konservatorisch überarbeitet werden.

History of creator 

Hedwig Kettler
Hedwig Friedrike Karoline Auguste Reder wurde am 19. September 1854 in Harburg a. d. Elbe als Tochter von Elise und Gustav Reder geboren. Kindheit und erste Schuljahre verbrachte sie zusammen mit ihren beiden jüngeren Schwestern in Osnabrück. Schon früh entstand der Wunsch, Malerin zu werden, und Hedwig erhielt privaten Zeichenunterricht. Nach kürzeren Aufenthalten in Bremervörde und Stuttgart ließ sich die Familie in Berlin nieder. Dort setzte Hedwig im Atelier des Aquarellisten Prof. Karl Eduard Biermann ihre Malstudien fort. Am 24. November 1880 heiratete sie ihren um ein Jahr jüngeren Vetter, den Geographiestudenten Julius Kettler, und ging mit ihm nach Lahr in Baden. 1881 wurde dort die erste Tochter, Mine, geboren. Es folgte ein Wohnungswechsel nach Karlsruhe, wo Julius als Assistent des Statistischen Amtes tätig war. Von 1884 bis 1893 lebte das Ehepaar in Weimar. 1885, nach der Geburt des zweiten Kindes, Elise, wandte sich Hedwig Kettler allmählich von der Malerei ab und begann sich auf dem Gebiet der Mädchenbildung zu engagieren, zunächst publizistisch.1887 gründete sie den "Frauenberuf. Zeitschrift für die Interessen der gebildeten Frauenwelt", der ab 1892 mit der unregelmäßig erscheinenden "Bibliothek der Frauenfrage" weitergeführt wurde. Als Konsequenz dieser Arbeit gründete Hedwig Kettler am 30. März 1888 zusammen mit einigen Mitstreiterinnen in Weimar den "Deutschen Frauenverein Reform", später umbenannt in "Verein Frauenbildungs-Reform" der schon bald eine rege Petitionstätigkeit entfaltete. Mit der Berufung des Ehemannes zum Direktor des Statistischen Amtes in Hannover erfolgte 1893 die Verlegung des Vereinssitzes dorthin. Noch im September desselben Jahres konnten die Initiatorinnen im Großherzogtum Baden, das als fortschrittlich galt, das Erste Deutsche Mädchengymnasium eröffnen, und zwar in Karlsruhe.1897 kam es nach internen Auseinandersetzungen um die Schule zur Spaltung des Vereins; die "Abtrünnigen" bildeten einen neuen "Verein Frauenbildung". Hedwig Kettler und die übrigen "Reform"-Mitglieder widmeten sich von nun an ganz einer zweiten Schulgründung in Hannover. Ostern 1899 wurde dies -unter der Bezeichnung "gymnasiale Kurse" - Realität. Um die Finanzierung bemühte sich ein eigens zu diesem Zweck geschaffenes "Hilfskomitee für das hannoversche Mädchengymnasium". 1901 wurden seitens der Stadt Räume im Neubau der Sophienschule zur Verfügung gestellt. Dennoch legte Hedwig Kettler im April des Jahres ihren Vereinsvorsitz nieder, weil sie keine Möglichkeit sah, ihre ursprüngliche Idee eines "Vollgymnasiums" für Mädchen in absehbarer Zeit zu verwirklichen. Erst 1908, ein Jahr nach Übernahme der Schule in städtische Verwaltung, wurde der Übergang zur sogenannten Studienanstalt erreicht. Neben ihrer Vereinstätigkeit hat Hedwig Kettler auch literarisch gewirkt - besonders im Zeitraum zwischen 1905 und 1911. Sie war Mitglied des "Allgemeinen Schriftsteller¬vereins" und Mitarbeiterin verschiedener Zeitungen und Zeitschriften. Ihre Skizzen und Erzählungen, häufig mit sozialkritischem Unterton, wurden u. a. in "Westermanns Monatsheften" und "Über Land und Meer" abgedruckt. Zwischen 1919 und 1922 zeichnete sie als Lektorin und Redakteurin für die Jugendschriften des Berliner Flemming-Verlages verantwortlich.Über Hedwig Kettlers letzte 15 Lebensjahre ist so gut wie nichts bekannt. Bereits zu Beginn des 1. Weltkrieges war sie mit der Familie nach Berlin-Friedenau umgezogen. Nach dem Tod des Mannes, 1921, begann ihr Rückzug aus der Öffentlichkeit. Am 5. Januar 1937 ist sie 85 jährig gestorben. Ihr Grab befindet sich auf dem Zwölf-Apostel-Friedhof in Berlin-Schöneberg.

Mine Ketter
Karoline Hermine Elisabeth Kettler, genannt Mine, wird am 01.11.1881 als erstes Kind des Ehepaares Kettler in Lahr/Baden geboren. Ihre Schulbildung erhält sie am Sophienstift zu Weimar, an der Höheren Töchterschule in Hannover und dem von ihrer Mutter gegründeten Mädchengymnasium zu Karslruhe. Daneben erhält sie auch privaten Weiterbildungs-Unterricht. Am 09.03.1904 erlangt sie das Abiturienten-Examen am Realgymnasium in Goslar. Sie studiert daraufhin an den Universitäten in Marburg und Göttingen romanische Sprachen, Sanskrit und vergleichende Sprachwissenschaft. Nach einem Volontariat in der Städtischen Volksbücherei zu Berlin-Schöneberg und einem weiteren fachlichen Praktikum in Halle besteht sie am 09.04.1919 in Berlin die bibliothekarische Diplomprüfung. Sie findet zunächst Anstellung als Hilfsbibliothekarin bei der Schöneberger Volksbücherei. Am 21.01.1920 schließt sie ihr Studium mit der Promotion ab und arbeitet ab dem 01.04.1920 - nun als "Bibliotheks-Obersekretärin" - bei ihrer vorherigen Arbeitsstelle weiter. Privat ist sie schriftstellerisch tätig. Es entstehen hauptsächlich Gedichte und Novellen. Eine Auswahl ersterer veröffentlicht sie unter den Pseudonymen "Lüning" bzw. "Anna Lahr" oder "Mina Poggenhagen". Als Gedichtbände erscheinen "Lieder aus Niedersachsen" und "Blühende Welt". Mine Kettler heiratet nicht und lebt mit ihrer Schwester und den Eltern zusammen. Sie führt dort den Haushalt und pflegt zuerst den kranken Vater und später ihre alte Mutter. Auch hier liegen die letzten Lebensjahre im Dunkeln. Am 04. November 1947 stirbt Mine Kettler in Berlin.

Julius Kettler
Während des 1. Weltkrieges hat Julius Kettler für den Flemming-Verlag in Berlin sogenannte Kriegskarten erarbeitet. Er starb am 14.07.1921 in Berlin.

Der Teilnachlass Hedwig Kettler nimmt neben dem ihres Ehemannes Julius Kettler und ihrer Tochter Mine in der Überlieferung den größten Umfang ein. Ferner sind noch kleine Teilnachlässe der Personen Elise Kettler und des Majors Iwan Kettler im Bestand überliefert.

Literature 

Marion Bock, "Gleiche Bildung für Mann und Frau!" Hedwig Kettler - eine vergessene Wegbereiterin der Frauenemanzipation Hannover 1989 (Magisterarbeit im Fach Geschichte an der Universität Hannover) einsehbar unter Signatur HB 2938 im Stadtarchiv Hannover