NLA HA Hann. 74 Calenberg

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel

Amt Calenberg

Laufzeit

1516-1949

Bestandsdaten

Geschichte des Bestandsbildners

Das Amt Calenberg setzt die Tradition der Großvogtei Calenberg fort. Die gleichnamige Burg, erst gegen Ende des 13. Jahrhunderts als Grenzfeste gegen das Hochstift Hildesheim errichtet, entwickelte sich nach Zerstörung der Burg Lauenrode 1371 zum Verwaltungsmittelpunkt des sich ständig ausdehnenden Besitzes zwischen Leine und Deister. Dem (Groß-)Vogt unterstanden im 15. Jahrhundert die Goe Gehrden, Seelze, Pattensen, Gestorf, Eldagsen, die Vogtei Langenhagen u.a. Nach der Reformation kam das Kloster Wittenburg hinzu. Dieser Komplex wurde in den Erbteilungen des 15. Jahrhunderts als Einheit behandelt, so dass sich der Begriff eines Fürstentums Calenberg einbürgerte.

Von 1523 bis 1631 hatte die Großvogtei ihre größte Ausdehnung. 1537/1538 erfolgte der Erwerb des Hildesheimer Dorfes Rössing. 1580 säkularisierte Herzog Heinrich Julius von Braunschweig-Lüneburg das Kloster Wittenburg und macht es zu einem Amt. Das (Kloster-)Amt Wittenburg, dessen Akten unter denen des Amtes Calenberg erscheinen, lag innerhalb der Grenzen des Amtes Calenberg, dem vor allem die hohe Gerichtsbarkeit vorbehalten war. Wittenburg hatte nur beschränkte Zivil- und Strafgerichtsbarkeit sowie Verwaltungsbefugnisse über seine Hintersassen.

Erst seit dem 17. Jahrhundert wurde die Großvogtei langsam aber stetig auf den Umfang eines – bis 1810 noch immer sehr großen – Amtes reduziert. Zunächst wurde das Amt Springe vergrößert, um 1636 die Vogtei Langenhagen vom Amt Calenberg abgetrennt und selbstständiges Amt, zwischen 1643 und 1653 wird der größte Teil des Gos Pattensen mit den Vogteien Hiddestorf und Ihme zum Amt Koldingen gelegt.

1817 wurde das Amt Calenberg regelrecht geteilt. Aus dem nordwestlichen Teil bildete man neu ein Amt Wennigsen. Das verkleinerte Amt Calenberg mit dem Wohnsitz des Beamten in Schulenburg bestand jetzt nur noch aus der Hausvogtei, der Rössinger Vogtei, dem Adenser Go, den Dörfern Arnum und Lüdersen, dem Gestorfer Go, Teilen des Pattenser Gos sowie den Städten Pattensen und Eldagsen. Das neue errichtete Amt Wennigsen bekam die Ronnenberger, Gehrdener, Bönnigser und Golternsche Vogtei sowie vom Pattenser Go die Dörfer Holtensen (bei Bredenbeck), Evesdorf und Argestorf, die der Vogtei Bönnigsen beigelegt wurden.

Münder, bislang dem Amte Calenberg unterstellt, wurde im 18. Jahrhundert als ungeschlossenes städtisches Gericht dem Amt Springe angeschlossen, es wurde amtsfreie Stadt. Das Klosteramt Marienrode fiel 1849 an das Amt Hildesheim bzw. 1852 an das Amt Marienburg. Außerdem wurde 1849 das Klosteramt Wülfinghausen mit dem Amt Calenberg vereinigt. Die Aufhebung der Patrimonialgerichtsbarkeit brachte einigen Zuwachs, die Neugliederung von 1852 weitere Verluste: Die Gemeinde Arnum ging an das Amt Hannover, Bockerode und Mittelrode kamen an das Amt Springe, Eddinghausen an das Amt Gronau. Die nächste Verwaltungsreform ließ 1859 das Amt Calenberg ungeschoren, aber schon 1885 wurde es aufgehoben und ging im neugebildeten Kreis Springe auf. Der Kreis Springe bestand aus den Ämtern Calenberg und Springe sowie den Städten Eldagsen, Münder und Pattensen.

Von 1852 bis 1885 an bestand das Amt Calenberg aus folgenden Gemeinden: Adensen, Alferde, Bennigsen, Boitzum, Gestorf, Hallerburg, Holtensen, Hüpede, Jeinsen, Lüdersen, Oerie, Rössing, Schliekum, Schulenburg, Sorsum, Vardegötzen, Wittenburg, Wülfingen und Wülfinghausen.

Konkordanz für Lagerbücher und bäuerliche Bevölkerungsregister des Amtes Calenberg:

Jahreszahl Titel alte Signatur
neue Signatur

1568 Erbregister des Amtes Calenberg Hann. 74 Springe Nr. 357
Hann. 74 Calenberg Nr. 89

1660-1680 Lagebuch d. Dörfer vor dem Deister Privatbesitz
Handschriften C 010

1662 Hausbuch des Amtes Calenberg (Gehrdener Go) Hann. 74 Springe II Nr. 360
Hann. 74 Calenberg Nr. 88

1663 Lagerbuch des Amtes Calenberg Hann. 74 Wennigsen I, gedr. Bücher Nr. 2
Hann. 74 Calenberg Nr. 91

1669 Erbregister des Amtes Wittenburg Hann. 74 Springe II Nr. 356 a
Hann. 74 Calenberg Nr. 105

1672 Kontributionskataster des Amtes Calenberg Hann. 74 Wennigsen I, gedr. Bücher Nr. 3
Hann. 74 Calenberg Nr. 92

1672/84 Lagerbuch des Amtes Calenberg (nur Ortschaften des späteren Amtes Wennigsen u. z. T. des späteren Amtes Linden) vol. I Hann. 74 Wennigsen I, gedr. Bücher Nr. 4
Hann. 74 Wennigsen Nr. 1
1672/84 Lagerbuch vol. II Hann. 74 Wennigsen I, gedr. Bücher Nr. 26
Hann. 74 Wennigsen Nr. 1/1

1687 Erbregister der Vogteien Ronnenberg u. Gehrden Hann.74 Springe Nr. 358
Hann. 74 Calenberg Nr. 90

1710/11 Geldregister des Amtes Calenberg Hann. 74 Calenberg Nr. 1
Hann. 74 Calenberg Nr. 890

ca. 1750 Kundebuch oder Abschriften von verschiedenen Rezessen, Reskripten, Berichten und Nachrichten aus der Amts Calenbergischen Registratur, gesammelt von A.J. Voigt [Oberamtmann des Amtes Calenberg] Hann. 74 Wennigsen I, gedr. Bücher Nr. 1
Hann. 74 Calenberg Nr. 117

1755 Dienstlagerbuch des Amtes Calenberg Hann. 74 Calenberg Nr. 111
Hann. 74 Calenberg Nr. 1011

1755 Dienstlagerbuch des Amtes Calenberg (Auszug für das Amt Wennigsen) Hann. 74 Wennigsen I, gedr. Bücher Nr. 24
Hann. 74 Wennigsen Nr. 4

1790 Verzeichnis der Höfe des Amtes Calenberg Hann. 74 Springe II Nr. 359
Hann. 74 Calenberg Nr. 476

Stand: 1983 (Beständeübersicht)
(Dem Text liegt der Einführungstext der Beständeübersicht von 1983 zugrunde. Er wurde ergänzt aus dem Findbuchvorwort von Joseph König von 1956.)

Bestandsgeschichte

Der größte Teil der Akten ist bei Bildung des Kreises Springe1885 an das Staatsarchiv gelangt. 1933 kamen vier Fach Ablösungsakten hinzu. Bei der Neuordnung des Bestandes „Hann. 74 Springe“ 1956 ergab sich, dass dieser ca. 80 Fach Akten des Amtes Calenberg enthielt. Da 1943 alle Findbücher verbrannt waren, nutze Joseph König die notwendige Neuverzeichnung zu einer Bereinigung und löste die zum Amt Calenberg gehörigen Akten aus dem Vorkriegsbestand „Hann. 74 Springe“ heraus und vereinigte sie mit dem Altbestand „Hann. 74 Calenberg“. Der Neuordnung legte er ein 1847 fertiggestelltes vierbändiges Behördenfindbuch von G. C. von Salz zugrunde, das er mit relativ wenigen Nachträgen wieder kurrent machte. Auf die alte Facheinteilung griff er nicht mehr zurück, stattdessen folgt die Neuaufstellung den im Behördenfindbuch angegebenen neun Hauptsachgruppen (Buchstaben A-J). Die alten Repertorienfolianten wurden noch bis Ende der 1970er Jahre benutzt. Erst 1978 konnten die Akten im Magazin überprüft und ihre Laufzeit vollständig erfasst werden. Danach schrieb Frau Weyer ein neues einbändiges Findbuch.

Im Anschluss an die Geschichte des Bestandsbildners findet sich für die besonders häufig gebrauchten Lagerbücher und (bäuerlichen) Bevölkerungsregister des Gesamtbestandes eine Konkordanz.

Der Bestand entspricht nicht ganz der Bedeutung des Amtes im ‚ancien régime‘. Das liegt u.a. daran, dass bei der Aufhebung des Amtes das vorhandene ältere Schriftgut zwar an das Archiv abgegeben, die Akten des ausgehenden 18. und 19. Jahrhunderts aber sehr stark durchkassiert wurden. Nach der Aufteilung des Amtes 1817 bestand offenbar wenig Interesse an den für die Verwaltung unerheblichen gemeinsamen Akten.

Immerhin sind die üblicherweise in ältere Zeit zurückreichenden Sachgruppen stärker als gewöhnlich vertreten. Verwiesen sei auf die historischen Nachrichten, Beamtensachen, Grenz- und Hoheitsstreitigkeiten (u.a. mit dem Hochstift Hildesheim), einen Teil der Polizei- und Domanialsachen. Relativ schwach vertreten sind die Gemeinde- und Kirchensachen, hier fehlen z.B. sämtliche Rechnungen. Die vermissten Akten könnten an die Kreisverwaltung Springe, an die Stadt- bzw. Kirchenarchive in Eldagsen und Pattensen gelangt sein.

Stand: 1983 (Beständeübersicht)
(Dem Text liegt der Einführungstext der Beständeübersicht von 1983 zugrunde. Er wurde ergänzt aus dem Findbuchvorwort von Joseph König von 1956.)

Enthält

Generalia, Hoheitssachen, Volkszählungen, Gemeinde-, Höfe-, Polizeisachen, Steuern, Zölle und Abgaben, Militär-, Domänensachen, Ablösungen, Kirche und Schule

Literatur

BÜHLER, Edfried u.a., Heimatchronik des Landkreises Hannover, Köln 1980.
HAMANN, Manfred (Bearbeiter), Übersicht über die Bestände des Niedersächsischen Hauptstaatsarchivs in Hannover, Bd. 3, Mittel- und Unterbehörden in den Landdrostei- bzw. Regierungsbezirken Hannover, Hildesheim und Lüneburg bis 1945, Teil I,I, Amt Calenberg, S. 224-228, Göttingen 1983.
HAMANN, Manfred (Bearbeiter), Übersicht über die Bestände des Niedersächsischen Hauptstaatsarchivs in Hannover, Bd. 3, Mittel- und Unterbehörden in den Landdrostei- bzw. Regierungsbezirken Hannover, Hildesheim und Lüneburg bis 1945, Teil I,I, Ämter, Verwaltungsgeschichtlicher Überblick, S. 170-189, Göttingen 1983.
MITTELHÄUßER, Käthe, Der Landkreis Springe (Die Landkreise in Niedersachsen, Bd. 6), Bremen 1951.
SOSTMANN, B., Das alte Amt Calenberg, in: ZsHistVNdSachs Jg. 1873.
SPIEß, Werner, Die Großvogtei Calenberg, 1933, Nachdruck Osnabrück 1975.

Findmittel

Der Bestand ist vollständig als EDV-Findbuch(2013) erschlossen.

Weitere Angaben (Bestand)

Umfang in lfd. M.

53,4 lfdm

Bearbeiter

G. C. von Salz (1847)

Joseph König (1956)

Klaudia Woede (2014)

Benutzung

Wegen Pilzbefalls, Verunreinigung und Beschädigungen kann es teilweise zu Benutzungsbeschränkungen kommen. Einige Archivalien werden nur noch als Mikrofiche zur Benutzung vorgelegt.

Georeferenzierung

Bezeichnung

Amt Calenberg

Zeit von

1817

Zeit bis

1852

Objekt_ID

5

Ebenen_ID

6020

Georeferenzierung

Bezeichnung

Amt Calenberg (Klosteramt Marienrode)

Zeit von

1817

Zeit bis

1849

Objekt_ID

4

Ebenen_ID

6020

Georeferenzierung

Bezeichnung

Amt Calenberg Teil Eddinghausen

Zeit von

1817

Zeit bis

1852

Objekt_ID

6

Ebenen_ID

6020

Georeferenzierung

Bezeichnung

Amt Calenberg

Zeit von

1852

Zeit bis

1885

Objekt_ID

1

Ebenen_ID

6220