NLA HA Hann. 93

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel 

Geheime Räte: innere Landesverwaltung

Laufzeit 

1216-1889

Bestandsdaten

Bestandsgeschichte 

Der Bestand Hann. 93 umfasst die Akten der Kurhannoverschen Geheimen Räte betreffend die innere Landesverwaltung in allen Zweigen. Als Anfangsjahr war für die Formierung des Bestandes offenbar das Jahr der Vereinigung des Fürstentums Celle mit Calenberg 1705 gedacht; insoweit schließt der Bestand zeitlich an die entsprechenden Akten Cal. Br. 23 (1488-1705) an, währen die einschlägigen Celler Bestände sich auf eine ganze Reihe von Designationen des Celler Archivs (Celle Br. 46 bis 70) verteilen. Das Stichjahr 1705 ist jedoch nicht scharf innegehalten; zahlreiche Betreffe greifen bis ins 17. und selbst in 16. Jahrhundert zurück. Die Hauptmasse des Bestandes gehört dem 18. Jahrhundert an und endet mit der Okkupationszeit 1803; nur vereinzelt finden sich Vorgänge aus den nachfolgenden Jahrzehnten bis 1823, dem Schlussjahr der Designation Hann. 93, bedingt durch die in diesem Jahr erfolgte Einrichtung der Landdrosteien, an die die Mehrzahl der bis dahin von der Zentralbehörde direkt bearbeiteten Landesverwaltungsangelegenheiten übergegangen ist.

Das hatte zur Folge, dass beträchtliche Aktenmengen der Geheimen Ratsregistratur damals an die Landdrosteien abgegeben wurden. Sie sind von diesen jedoch nur zum Teil in den Geschäftsgang aufgenommen und fortgeführt worden. Als das Staatsarchiv 1950 die Neuaufstellung der Akten der Landdrosteien und Regierungen bzw. die Wiederherstellung ihrer 1943 vernichteten Findbücher vornahm, ergab es sich, dass in den Beständen der Landdrosteien große Mengen von Akten der Geheimen Räte steckten, die keine organischen Bestandteile der landdrosteilichen Registraturen geworden, z.T. nicht einmal verzeichnet waren. Sie sind nunmehr grundsätzlich aus Hann. 80 (Landdrosteien) ausgeschieden und der Designation Hann. 93. zugeführt worden, deren Umfang sich durch diesen Zuwachs nahezu

verdreifacht hat (von rund 60 Gefachen auf rund 180). Das trifft vor allem für die Landdrosteien Hildesheim und Lüneburg zu, weniger für die Landdrostei Hannover, gar nicht für die Landdrostei Stade. Die auf die Herzogtümer Bremen und Verden bezüglichen Akten der Geheimen Räte beruhen mit Ausnahmen eines kleinen Restes (Hann. 93, Abschnitt 7: Bremische Expedition) geschlossen in Hann. 131 (früher Celle 131, jetzt Stade Rep. 31). Dagegen ist der zweite, mit einer Provinzialregierung ausgestattete althannoversche Landesteil, das Herzogtum Lauenburg, am Bestand Hann. 93 mit einer ziemlich umfangreichen Aktengruppe beteiligt, die die entsprechenden Akten in Celle Br. 104b mannigfach ergänzt. Das Lauenburg betreffende Material findet sich jedoch ausschließlich in Abschnitt 31 (Lauenburgische Expedition samt Land Hadeln), nicht - wie die anderen Landesteile - auf die übrigen Sachabschnitte verteilt.

Die inner Einteilung der Designation in 53 alphabetisch angeordnete Abschnitte geht anscheinend im wesentlichen noch auf das Registraturschema der Geheimen Ratsregistratur zurück; in einzelnen Fällen schimmert nicht die bekannte Departementseinteilung des Geheimen Rates (vgl. E. von Meier, Hannoversche Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte, Bd. II, S. 84-121) durch. Es ergab sich zum Beispiel bei der Eingliederung der aus den Landdrosteien übernommenen Städtesachen, dass dieselben die bisher nicht oder kaum besetzten Abschnittsnummern 43-46 auffüllten und zwar in der Weise, dass Abschnitt 44 und 45 die Akten des Calenberg-Göttingen-Grubenhagenschen und Abschnitt 46 die des Lüneburg-Hoyaschen Städtedepartements umfasste.

Der geschichtliche Wert des Bestandes ist kaum zu überschätzen; er ist für alle Verhältnisse der inneren Verwaltung des Kurfürstentums von schlechthin grundlegender Bedeutung, zwar nicht nur in Bezug auf die Generalia, sondern auch für zahlreiche regionale und lokale Betreffe, insbesondere für die Verfassungs- und Wirtschaftsgeschichte der einzelnen Städte und Flecken. Auch auswärtige Beziehungen fehlen nicht, sie finden sich besonders in Abschnitt 22 (Interzessionen) und vor allem in Abschnitt 12a (Domestica), der u.a. das bei weitem wichtigste Aktenmaterial für die englische Sukzession des Hauses Hannover enthält.

Der Erhaltungszustand des vom Hochwasser 1946 nicht berührten Bestandes ist bis auf einige alte Feuchtigkeitsschäden in Abschnitt 12a ausgezeichnet.

Die Abgrenzung von Hann. 93 gegen Hann. 80 ist entsprechend dem vorstehend Gesagten im allgemeinen auf das Grenzjahr 1823 (Errichtung der Landdrosteien) abgestellt, in der Weise, dass die vor 1823 geschlossenen Akten grundsätzlich der Designation Hann. 93 zugewiesen sind. Nur in ganz wenigen Ausnahmefällen sind Vorgänge, die unbedeutend über das Grenzjahr hinausgreifen, in der Hauptsache aber vor 1823 erwachsen sind, bei Hann. 93 belassen. Umgekehrt sind jedoch des öfteren Akten, die vor 1823 in der Zentralbehörde angefangen und bei den Landdrosteien fortgeführt sind, dem Bestand Landdrosteien (Hann. 80) zugewiesen sind.

Das Findbuch des Bestandes Hann. 93 gehörte zu den ersten, die nach dem Totalverlust der gesamten Findbuchbehelfe (1943) wieder hergestellt wurden, und zwar noch am Auslagerungsort in Schloss Söder bzw. Bockenem, wo der Archivobersekretär Wilhelm Lücke den Bestand 1945/46 nach den Aktentiteln wieder aufnahm, mit mancherlei durch die Zeitverhältnisse bedingten Mängeln vor allem der äußeren Form (gedrängte Schrift im Interesse der Papierersparnis). Die 1950 dem Bestand zugewachsenen Aktenmassen aus Hann. 80 wurden vom Unterzeichneten eingeordnet und verzeichnet; den letzten Teil dieser Arbeit (Abschnitt von Herzberg ab) übernahm 1953 der Angestellte Dr. Stöhr. Das auf diese Weise erheblich angeschwollene Findbuch ist 1955 aufgeteilt und für den ersten Band neu geschrieben worden.

Hannover, im November 1955
gez. Schnath

Die Absicht, von dem Bestand Hann. 93 eine Benutzungskopie auf Mikrofiche herzustellen, machte den Wunsch dringlich, die Signaturgebung durch Umstellung des Bestandes auf numerus currens zu vereinfachen.

Für Band 1 erschien eine Neuschrift des Findbuches von 1955 angezeigt, sollte die gleiche Verzeichnungstiefe wie in Band 2 und ein sauberes Schriftbild erreicht werden. Demzufolge sind die Aktentitel von Band 1 sämtlich kontrolliert und zum größten Teil präzisiert, sind die Laufzeiten überprüft worden. Unangetastet konnte die Ordnung der Akten bleiben, von vereinzelten Zusammen- oder Umlegungen abgesehen. Einige wenige Gruppentitel haben eine andere Fassung erhalten.

Als Vorbereitung für die Umstellung des Bestandes 93 auf numerus currens musste Band 2 des Findbuches, der die Abschnitte 43 bis 53 enthält, neu geschrieben werden, da der Abschnitt 46 der Lüneburg-Hoyaischen Städtesachen bisher nur in einer Tabelle (Betreffübersicht) nach Städte und Flecken und weiter nach Sachbetreffen erfasst war (vgl. die Vorbemerkung zu Abschnitt 46 im Altfindbuch). Dieses Ordnungsschema liegt nunmehr allen Städtesachen des Bestandes zugrunde. Infolge der Neuordnung des Abschnitts 46 springen hier die Signaturen sehr stark. Dieser Schönheitsfehler, der seinerzeit ausdrücklich vermieden werden sollte, wird von selbst beseitigt, wenn der ganze Bestand mit laufender Nummer durchgezählt wird und dann auch die Akten danach gelegt werden.

Die vorliegende Neuschrift des Findbuches kommt auch insofern einer Neuverzeichnung nahe, als ein großer Teil der Aktentitel auf Inhalt und Laufzeiten überprüft und ggf. korrigiert sowie ergänzt worden sind. Die Nummern der Sicherungsverfilmung sind im Altfindbuch vermerkt.

Pattensen, den 20. Juni 1988
gez. Gieschen

Enthält 

Generalia, Abzugsgelder von Erbschaften, Ämter- u. Städtesachen, Bestallungen, Bremische Exekution, Domestika, inner Landesverwaltung, Grenz- u. Hoheitssachen, Grafschaften Hohnstein u. Hoya, Stift Ilfeld, Interzessionen, Justiz- u. Kriminalsachen, Klosterwesen, Verterinärsachen, Landesökonomie, Kriegssachen, Lehenswesen, Landfolge, Landschaft u.a.

Findmittel 

EDV-Findbuch 2016

Weitere Angaben (Bestand)

Umfang in lfd. M. 

64,5

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen 

Der Bestand ist bis Nr. 3716 auf Mikrofiche verfügbar und wird aus konservatorischen Gründen nur in dieser Reproduktionsform zur Benutzung vorgelegt. Ab Nr. 3717 ist der Bestand durch weitere Archivalien ergänzt worden, zu diesen Archivalien gibt es keine Mikrofiche.