NLA HA Hann. 9e

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel 

Geheime Räte/Herzog Ferdinand: Siebenjähriger Krieg

Laufzeit 

1671-1803

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung 

Kriegs- und Verteidigungsvorbereitungen, Personalia, Berichte über Kriegsereignisse, feindliche Truppenbewegungen, Gesandtschaften, Spionageabwehr, Kriegsgefangene, Deserteure, Geiseln, Exesse, Kriegsverlauf, Besatzungszeit, Kriegskasse, Schadenswiedergutmachung, Friedensverhandlungen, Nachlass des Herzogs Ferdinand von Braunschweig-Lüneburg.
Findmittel: EDV-Findbuch 2014
Umfang: 37,5 lfdm

Bestandsgeschichte 

In den Kompetenzbereich der hannoverschen Geheimen Räte gehörten in der zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts die Publica, d.h. alle auswärtigen Angelegenheiten und gewisse innere Regierungsangelegenheiten waren von übergeordneter Bedeutung, so dass bei ihnen auch eine große Anzahl von Akten entstanden, welche die Angelegenheiten des Siebenjährigen Krieges betreffen. Für alle wichtigen Fragen war die kollegiale Beratung vorgeschrieben. Dies kommt rein äußerlich nicht nur in der kollegialen Unterzeichnung von Konzepten zum Ausdruck, sondern auch in der Gewohnheit des Gremiums, sich selbst als "Königlich Großbritannische Geheime Räte" zu bezeichnen. Der König verwendet regelmäßig die Adresse "An die Geheimen Räte in Hannover". Nach dem Staatshandbuch lautete der offizielle Titel "Königlich Großbritannische zur Kurfürstlich Braunschweig-Lüneburgischen Regierung verordnete Geheime Räte". Neben diesen amtlichen Titulaturen findet sich auch schon die von den Räten selbst verwandte Bezeichnung "Königliches Ministerium". Herzog Ferdinand von Braunschweig-Lüneburg wendet wohl in Anlehnung an preußische Vorbilder stets an das "Hannoversche Etatsministerium", wenn er das Kollegium der Geheimen Räte meinte.

Als wichtigster Aktenbildner für die Zeit des Siebenjährigen Krieges war neben dem "Ministerium" die ebenfalls kollegial organisierte Kriegskanzlei (vgl. Hann. 47) zu nennen, welche für alle auf den Militärhaushalt bezüglichen Gegenstände zuständig war. Da die Bezeichnung dieser Behörde "Königlich Großbritannische zur Kurfürstlich Braunschweig-Lüneburgischen Kriegskanzlei verordnete Geheime Räte, Geheime Kriegsräte und Kriegsräte" lautete, ist es einwandfrei möglich, die Akten der Provenienz Geheime Räte von jenen der Provenienz Kriegskanzlei zu unterscheiden.

Die Akten der Geheimen Räte, die den Siebenjährigen Krieg betreffen, sind offenbar stets als besondere Sparte der

geheimen Registratur angesehen und auch entsprechend separat aufgestellt worden. Ihre Ordnung erfolgte noch in der Geheimen Registratur nach einem Schlagwortalphabet.

In dieses Schlagwortalphabet wurde auch Schriftgut fremder Provenienz eingefügt, wie etwa die Akten der Kommission zur Liquidierung der Kriegsschulden. Auch Papiere aus dem Nachlass von Steinbergs, von Wallmodens und von Spörckens gehören dazu.

Von kaum zu überschätzendem Wert sind aber jene, der Abteilung "Varia" angegliederten Akten, die aus dem Nachlass des Herzogs Ferdinand von Braunschweig-Lüneburg stammen. Dieser Nachlass war nach Ferdinands Tod von Preußen in Verwahrung genommen worden. In den Jahren 1794 bis 1795 wurden jedoch jene Vorgänge an Hannover ausgeliefert, die sich auf hannoversche und englische Verhältnisse bezogen. Lediglich diese Papiere überstanden den Zweiten Weltkrieg, während der im preußischen Gewahrsam verbliebene Hauptteil des Nachlasses im Heeresarchiv in Potsdam 1945 ein Raub der Flammen wurde.

Als die Geheime Registratur zu Beginn des 19. Jahrhunderts - wahrscheinlich 1817 - zunächst die für entbehrlich gehaltenen Schlagwortgruppen des Bestandes Siebenjähriger Krieg an das Archiv abgab, wurden diese aus nicht mehr zu ermittelnden Gründen der Aktenabteilung Celle zugewiesen und als Bestand Celle Br. 124 aufgestellt.

Die Gliederung des Schriftgutes in alphabetische Schlagwortabteilungen wurde beibehalten. Eine im Archiv erfolgte zusätzliche Durchnummerierung erwies sich als schwerwiegender Fehler, als die restlichen Schlagwortabteilungen dieses Bestandes im Jahre 1834 zur Übernahme angeboten wurden. Konsequenterweise hätte man nun die neu hinzugetretenen Schlagwortabteilungen an der entsprechenden Stelle des alten Gliederungsalphabets einordnen und eine Neunummerierung durchführen müssen. Diese allein als sinnvoll anzusehende Maßnahme wurde jedoch offenbar aus

arbeitsökonomischen Gründen nicht durchgeführt. Vielmehr hängte man das neue Alphabet dem alten einfach an und setzte die Durchnummerierung fort. Damit war der ursprüngliche Organismus zerstört. Eine Übersicht dieser bis zum Zweiten Weltkrieg geltenden Ordnung hat Bär 1900 in seiner Bestandsübersicht auf S. 64 gegeben.

Dasselbe Prinzip, das in der Geheimen Registratur bei der Einordnung hinzugetretener Kommissionsakten und Nachlässe zur Anwendung gekommen war, wurde auch im Archiv verfolgt, als im Jahr 1852 die Akten der Londoner Kanzlei nach Hannover gelangten; sie wurden in die bestehenden alphabetischen Schlagwortabteilungen eingegliedert. Damit war der Weg zur Errichtung eines Pertinenzbestandes "Siebenjähriger Krieg" beschritten, der dadurch auch Zuwachs durch jene aus den Ämtern herausgelösten Akten erhielt, die den Siebenjährigen Krieg betrafen.

Als am Ende des 19. Jahrhunderts dass Provenienzprinzip zur Grundlage der Beständegliederung erhoben wurde, war dieser Prozess noch nicht abgeschlossen. Eine rückläufige Bewegung setzte ein. Mit der Wiederaufstellung des Bestandes der Londoner Kanzlei (Hann. 92) erlebte der Pertinenzbestand "Siebenjähriger Krieg" dadurch eine erste Schrumpfung, dass alle Akten in dieser Provenienz zum Bestand Hann. 92 gebracht wurden. Um den alten Provenienzzusammenhang des überwiegenden Teils der Akten der Geheimen Räte betreffend den Siebenjährigen Krieg mit der Geheimen Registratur wieder transparent werden zu lassen, entschloss man sich zu einer Umbenennung des bisherigen Bestandes Celle Br. 124 in Hann. 9e, die zwischen 1878 und 1900 erfolgt sein muss. 1878 werden noch Akten aus dem Bestand Celle Br. 124 ausgeliehen, 1900 führt ihn Bär bereits als Bestand Hann. 9e auf. Mit dieser Umbenennung kam nun wenigstens wieder rein optisch die enge Verbindung zur Geheimen Registratur (Hann. 9) zum Ausdruck. Ein Eingriff in das innere

Gefüge des Bestandes und eine Umlagerung im Magazin unterblieb glücklicherweise. Nur diesem Umstand ist es zu verdanken, dass die Akten nicht zusammen mit dem Bestand Hann. 9 im Jahre 1943 durch Kriegseinwirkung zugrunde gingen. Durch die Hochwasserkatastrophe im Frühjahr 1946 wurde das Schriftgut jedoch teilweise stark in Mitleidenschaft gezogen, so dass vor Aushändigung der Akten an einen Benutzer jeweils durch den Referenten zu prüfen wäre, ob eine vorherige Restaurierung erforderlich ist.

Vor die Aufgabe gestellt, den wertvollen Bestand der Benutzung wieder zugänglich zu machen, entschloss sich der Unterzeichnete zu einer grundlegenden Neuordnung. Das Ziel war, nur jene Akten im Bestand zu belassen, die ihm bereits in der Geheimen Registratur angehört haben, eine Scheidung zwischen der Provenienz "Geheime Räte" und "Herzog Ferdinand von Braunschweig-Lüneburg" vorzunehmen und statt der Untergliederung nach einem primitiven Schlagwortalphabet eine logische Aktengruppenbildung anzustreben. Die Erreichung dieses Zieles war nur möglich durch Einzelverzettelung sämtlicher Aktenbestände, die von dem Unterzeichneten und Archivoberinspektorin Loges durchgeführt wurde. Erheblichen Zeitaufwand erforderte die Neuformierung durcheinander geratener Aktenbestände und die Ergänzung verloren gegangener Aktentitel. Ausgesondert und in ihren alten Provenienzzusammenhang gebracht wurden alle noch im Bestand verbliebenen Akten der Londoner Kanzlei und die in die Ämterbestände gehörenden Vorgänge. Anhand der Zettel erfolgte anschließend die Neugruppierung der Akten.

Die beiden Schlagwortalphabete wurden aufgelöst und der Bestand in zwei Hauptabteilungen gegliedert:
I. Akten der Geheimen Räte, und
II. Akten aus dem Nachlass Herzog Ferdinands von Braunschweig-Lüneburg.
Innerhalb der Hauptabteilung erfolgte eine logische Untergliederung, die sich dem Verlauf der

Kriegsgegebenheiten anlehnt, z.B.
I, 1 Ausbruch des Krieges, Verteidigungsmaßnahmen und Anmarsch der Franzosen;
I, 3 Aufstellung und Ausrüstung der Armee;
I, 26 Wiedergutmachung von materiellen Schäden und finanziellen Verlusten;
I, 29 Auflösung des Heeres nach dem Krieg.

Bei den Akten aus dem Nachlass des Herzog Ferdinand von Braunschweig-Lüneburg handelt es sich im Wesentlichen um Korrespondenzakten, die in Korrespondenzen mit dem König, mit hannoverschen Behörden und Persönlichkeiten sowie in Korrespondenz mit Auswärtigen gegliedert wurden.

Aufgestellt ist der Bestand nach dem numerus currens, so dass bei Aktenbestellungen lediglich die Bestandssignatur Hann. 9e und die laufende Nummer anzugeben ist.

Hannover, im Juni 1969
gez. Dr. Günter Scheel


Hinweis: Alte Bestandssignatur (bis kurz vor 1900): Celle Br. 124 Siebenjähriger Krieg VII: General-Conjuncturen


Verwandte Bestände:
Hann. 38
Hann. 41
Hann. 43
Hann. 46
Hann. 47
Hann. 92


Der Bestand ist im Rahmen eines größeren Erschließungsprojektes in die archivische EDV-Datenbank unter der Fachsoftware izn-AIDA übertragen worden.

Hannover, im Juli

2014

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen 

Abgeschlossen: Nein

teilweise verzeichnet