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Description

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Title 

Paul Ott (Orgelbauunternehmen)

Fonds data

Short description 

Die von dem aus dem oberschwäbischen Oberteuringen stammenden Paul Ott (1903-1991) gegründete und in Göttingen/Bovenden ansässige Orgelbaufirma erlebte ihren wirtschaftlichen Höhepunkt in den 1960er und 1970er Jahren, als zahlreiche Instrumente für Kunden in Deutschland, im europäischen Ausland und in Übersee gebaut wurden.

Custodial history 

Firmengründer Paul Ott (1903-1991) stammt aus dem oberschwäbischen Oberteuringen in der Nähe des Bodensees. Obwohl Ott die Käserei seines Vaters übernehmen sollte, entschied er sich für eine Schreinerlehre. 1928/29 folgte eine Lehre bei der Orgelbaufirma Steinmeyer in Oettingen. 1930 fertigte er ein erstes Positiv für die Marienkirche in Göttingen, konnte aber erst 1932 die eigene Werkstatt eröffnen. Als einer der wenigen Orgelbauer, die zu dieser Zeit bereits die Prinzipien des vorromantischen Orgelbaus (z. B. Verwendung der Schleiflade) wieder berücksichtigten, konnte er bald eine Reihe wichtiger Aufträge für Kleinorgeln erhalten. Unter anderem baute er 1938 eine Hausorgel für den Komponisten und Erneuerer der ev. Kirchenmusik Hugo Distler. 1937 erhielt Ott den Meisterbrief. Bald begann er mit der Restaurierung historischer Orgeln in Norddeutschland, die als bedeutend erkannt wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es auch Aufträge für größere Instrumente. Der erste dreimanualige Neubau Otts war die Orgel der Christuskirche in Wolfsburg (1951). Der wirtschaftliche Höhepunkt der Werkstatt Ott lag in den 1960er und 1970er Jahren, als zahlreiche Instrumente für Kunden in Deutschland und darüber hinaus in mehreren europäischen Ländern und in Übersee gebaut wurden, so etwa die mit ca. 7.000 Pfeifen größte Orgel Norwegens im Konzerthaus Oslo (1977/78). In Westdeutschland profitierte die Firma von den vielen Kirchenneubauten der vor allem durch die Flüchtlingsströme gewachsenen katholischen und protestantischen Kirchengemeinden.
1980 musste die bisher als Kommanditgesellschaft geführte Firma Konkurs anmelden. Auftragszusagen aus dem In- und Ausland ermöglichten die Gründung der Paul Ott GmbH in Bovenden als Auffanggesellschaft. Paul Otts Sohn Dieter Ott (1934-2010) übernahm die Göttinger Werkstatt, in der Paul Ott bis zu seinem Tod 1991 weiterarbeitete. Er führte sie nach der Auflösung der Paul Ott GmbH am 16. Juli 1990 zunächst mit dem im Jahr zuvor als Einzelfirma

gegründeten Unternehmen Paul Ott Orgelpflegedienst weiter. Mit Dieter Otts Tod kam die Orgelbautradition der Göttinger Werkstatt Ott, die weit über Deutschland hinaus gewirkt hatte, zu ihrem Ende.

Der Bestand wurde Anfang des Jahres 2011 an das Niedersächsische Wirtschaftsarchiv von Frau Wiltrud Ott, Witwe von Dieter Ott und ihrem Sohn Dr. Joachim Ott als Schenkung übergeben. Er wurde im Rahmen eines Werkvertrags durch Frau Elke Weyershausen mit Hilfe des EDV-Erschließungsprogramms AIDA der Niedersächsischen Archivverwaltung erschlossen, sachthematisch gegliedert und indiziert. Der Unterzeichnende führte die Fachaufsicht und die Schlussredaktion durch.

Wolfenbüttel, September 2012

Dr. Martin Fimpel

Lit.:
Uwe Pape: Paul Ott - Protagonist des Baus von Schleifladenorgeln zwischen den beiden Weltkriegen. In: Alfred Reichling (Hrsg.): Aspekte der Orgelbewegung. Merseburger, Berlin/Kassel 1995

http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Ott_%28Orgelbauer%29
(mit Werkauswahlliste)

Information / Notes

Additional information 

Abgeschlossen: nein

teilweise verzeichnet