NLA HA Cal. Br. 15

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel 

Privatakten

Laufzeit 

1490-1895

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung 

Bittschriften und Anzeigen von Beamten und Privatpersonen aus den Bereichen Patenschaften, Vormundschaften, Eheverträge, Bausachen, Testamente, Blandesherrlicher Dienst, Immunitäten, finanzielle Unterstützungen, Pensionen und Pfründen, Erbschaftsangelegenheiten, Schuldensachen, Handel und Gewerbe, Militärdienst, Lehens- und Standessachen, Rechtsstreitigkeiten, Nachlässen
Findmittel: EDV-Findbuch 2010
Umfang: 31,8 lfdm

Hinweis: Die Akten sind teilweise durch mechanische Schäden bzw. Pilzbefall geschädigt und können daher nur eingeschränkt zur Benutzung vorgelegt werden.

Bestandsgeschichte 

Sammlung von Akten der braunschweig-lüneburgischen Zentralbehörden zu Personen und Familien (1513-1895)

Der Bestand Cal. Br. 15 ist eine künstlich geschaffene Sammlung von Akten (sehr oft auch nur Aktenteilen) der verschiedensten Herkunft und verschiedener Zeit vom 15.- 19. Jahrhundert. Als Provenienzen konnten im Rahmen dieser Neuverzeichnung viele calenbergische und hannoversche Zentralbehörden, aber auch wolfenbüttelschen aus der Zeit der Kommunion, ermittelt werden. Die ungenaue, aber mittlerweile tradierte Bestandsbezeichnung als "Privatakten" soll den kleinen gemeinsamen Nenner, unter dem die Akten hier bereits zusammengeführt worden sind, andeuten: Es handelt sich meist um private Anliegen, die an Behörden oder den Landesherrn selbst gerichtet worden sind und alle möglichen Themengebiete umfassen können. Trotzdem schälen sich bestimmte Schwerpunkte heraus, die als Basis für eine neu geschaffene Gliederung des Bestandes herangezogen werden können. Darüber hinaus sollen zu einer ersten Orientierung Aktengruppen benannt werden, die aufgrund ihrer Häufung und ihrer Gleichmäßigkeit besonders auffallen:

In der ersten Gliederungsgruppe sind die Anträge auf Erklärung der Großjährigkeit (= venia aetatis), auf Übernahme der Patenschaft ab dem siebten Kind und die Vormundschaftsakten hervorzuheben. Sie geben oftmals unverhoffte Einblicke in die Lebenswelten von Kindern und Heranwachsenden. Dies gilt auch für die Vielzahl der Konsense bei der Verheiratung von Offizieren, in denen das Vermögen und der gute Ruf der beiden Eheleute geprüft wurden. Dagegen bringen die zahlreichen Ermittlungen von Angehörigen im Ausland Verstorbener meist nur wenige Anhaltspunkte für Recherchen. Interessante Einzelfälle sind die Streitigkeiten konfessionsverschiedener Eheleute um die Religionszugehörigkeit ihrer Kinder.

In der zweiten Gliederungsgruppe fallen vor allem die Dispense

ins Auge, die für Landesbedienstete ausgestellt wurden, welche meist nebenberuflich noch ein Amt oder Mandat in einer ständischen Versammlung, einer Stadt, geistlichen oder adligen Einrichtung übernehmen wollten.

In der dritten Gliederungsgruppe sind unter Freiheiten vor allem die Befreiung von Zinsen und Dienstpflichten für Häuser und Höfe zu verstehen. Hier sind öfters auch genaue Verortungen bis hin zu Skizzen von Privatgebäuden zu finden. Unter den Kostenerstattungen finden sich viele Anträge von Offizieren, die nach der Schlacht von Waterloo für die dort entstandenen Verluste und Schäden eine Erstattung einfordern. Interessant ist auch die Einsicht in die Vermögensumstände der Witwen bzw. Waisen höherer Staats- oder Militärbediensteter anläßlich der zahlreichen Gesuche um Erteilung einer Pension. Schließlich wird dieser Besitz im einzelnen auch in den Akten zur Regelung ihrer Nachlässe anhand von Inventaren, Auktionsprotokollen oder Abrechnungen aufgelistet. Hier findet man also reichlich Quellen zur materiellen Ausstattung höherer Bedienter, bei Hof, Verwaltung und Militär.

In der vierten Gliederungsgruppe geht es vor allem um die zahlreichen Gutachten des Lehnsfiskals und Archivsekretärs Kestner zu allerlei lehensrechtlichen Fragen sowie um die Allodifikation von Lehnsgütern zur Zeit der französischen Besatzung. Diese beiden Aktengruppen dienen vor allem als Nachweis über die Zusammensetzung und die Besitztitel der darin behandelten Lehnsstücke im 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts.

In der fünften Gliederungsgruppe wurde versucht, die immer wieder im Bestand enthaltenen Prozessakten in ein juristisches Schema zu bringen, wobei die Zuordnung sich oft als schwierig erwies. Im außergerichtlichen Bereich finden sich Hinweise auf Urfehden und Duelle.

In der sechsten und letzten Gliederungsgruppe sind alle Akten versammelt, die unter einem

hoheitlichen Aspekt gesehen werden können. Hierunter fallen die zahlreichen Nachfragen nach Schutz, Geleit oder Niederlassungen, die Gnadengesuche oder die Interzessionen. Damit sind die Anträge auf Einflußnahme bei auswärtigen Mächten zugunsten privater Anliegen gemeint. Ein weiterer Schwerpunkt sind die unzähligen Ehrungen oder Genehmigungen ebensolcher durch den eigenen oder auswärtige Landesherren. Der Grund für diese Maßnahme wird meist nur angedeutet, im Mittelpunkt steht die Auswahl und der Wert der Ehrung.

Manche Einteilung der Akten in die Gliederung mag nicht auf Anhieb verständlich sein, vor allem, wenn mehrere Anliegen in einem Schreiben geäußert wurden und wenn es eine thematische Nähe zwischen zwei Gliederungspunkten gibt. So finden sich z.B. inhaltliche Ähnlichkeiten zwischen 01.04 und 03.04. bei Fragen zur Vererbung oder 06.01. und 02. bei der Erteilung von Privilegien für Schutz, Niederlassung und Berufsausübung (oft alles zusammen).

Unter dem Gliederungspunkt 07 sind all diejenigen Akten eingeordnet, die als Nachlassakten im klassischen Sinne zu verstehen sind und daher unter dem Sammelbestand Hann. 91 zu fassen wären. Dies könnte im Rahmen der geplanten Neuverzeichnung des Bestandes Hann. 91 geschehen.

Im Rahmen der Neuverzeichnung wurden fast alle Aktentitel neu gebildet, da die provisorische Aufnahme aus der unmittelbaren Nachkriegszeit nur die Aktenaufschriften (soweit vorhanden) übernehmen konnte. Viele Namen und Sachverhalte sind dabei neu zum Vorschein gekommen. Darüber hinaus musste die Laufzeit der umfangreicheren Akten oft neu bestimmt werden, da im Regelfall nur Anfangsjahre angegeben wurden. Dazu kommt der Umfang der sehr unterschiedlich starken Akten und - wie oben bereits erwähnt - die Vorprovenienz hinzu. Die einfache, frühere Reihung nach Namen ist das Sortierkriterium innerhalb der einzelnen Gliederungspunkte geblieben und

ist auch über den Personenindex zu rekonstruieren. Neben dem Personenindex, sind auch ein Orts- und ein Institutionenverzeichnis zur Schaffung einer größtmöglichen Transparenz für den Benutzer bei diesem sehr heterogenen Bestand hinzugekommen.

Achtung! Einige der im Bestand enthaltenen Archivalien sind durch Pilzbefall so stark beschädigt, dass sie ohne vorhergehende Restaurierung nicht mehr benutzt werden können. Sie sind durch einen Aufkleber "Vorlage an Benutzer nur mit Zustimmung des Referenten" gekennzeichnet!

Der Bestand wurde in den Jahren 2002 und 2003 von Dr. Thomas Bardelle neu

verzeichnet.

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen 

teilweise verzeichnet

Abgeschlossen: Nein