
Identifikation (kurz)
Titel
Rüthnick, Richard
Laufzeit
1897-1962
Bestandsdaten
Geschichte des Bestandsbildners
Rüthnick wurde am 27. November 1881 als viertes Kind eines Pfarrers in Zachow (Westhavelland) geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters 1885 zog die Familie nach Wiesbaden zu einem Großvater, dem pensionierten preußischen Geheimrat Ferdinand Grimm. Rüthnick ging hier und in München, wo eine Tante mit dem vermögenden Erfinder der Eismaschine, Carl von Linde, verheiratet war, in die Schule.
1900 - 1902 studierte er in Göttingen und leistete gleichzeitig seinen Wehrdienst als Einjährigfreiwilliger. Von 1902 - 1905 setzte er sein Studium in München fort und trat nach der Promotion 1905 als Praktikant in den bayerischen Archivdienst ein. Bald wechselte er das Berufsziel und legte 1907 in Greifswald das Staatsexamen für den höheren Schuldienst mit der Lehrbefähigung für Geschichte, Deutsch und Religion ab.
Anschließend unterrichtete er ein halbes Jahr am Johanneum in Hamburg und fand schließlich zum 1. Oktober 1907 eine Stelle als wissenschaftlicher Hilfslehrer an der Realschule vor dem Doventor in Bremen. 1908 wechselte er als Oberlehrer (Studienrat) an das Neue Gymnasium (am Barkhof), an dem er bis zu seiner Pensionierung 1937 blieb.
1910 begann seine politische Tätigkeit mit der Beteiligung an der Gründung der Ortsgruppe Bremen der Christlich-Sozialen Partei. Sie wurde unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg, an dem Rüthnick von 1914-1918 teilnahm, zuletzt als Leutnant der Landwehr. von 1919-1933 gehörte er mehreren rechtsorientierten völkischen Vereinigungen an und trat in Wort und Schrift für ihre Ziele ein.
Nach 1933 hielt er sich vom politischen Leben fern. 1937 benutzte die NSDAP die Tatsache, dass Rüthnick in einem Vortrag über Geschichtsbetrachtung und Familienforschung auch jüdische Autoren zitiert hatte, um seine vorzeitige Pensionierung herbeizuführen.
Rüthnick wurde trotz des Lehrermangels im Zweiten Weltkrieg nicht wieder in den Schuldienst eingestellt. 1942 - 1944 arbeitete er als Büroangestellter im Quartieramt, wodurch sein Interesse an Fragen des Wohnungsbaus entstand. Sein Versuch nach 1945 als Lehrer reaktiviert zu werden scheiterte wegen seines politischen Verhaltens in der Weimarer Zeit. Er verstarb am 7. März 1951.
Bestand
Bestandsgeschichte
Das Schriftgut ist im Dezember 1980 und Januar 1981 dem Staatsarchiv von Rüthnicks Kindern, Frau Maria Duda, Frau Heidi Luger und Herrn Rudolf Rüthnick als Geschenk übergeben worden. Es handelt sich nur noch um Teile des Nachlasses, dessen Masse anscheinend an Rüthnicks letztem Wohnsitz in Bassum vernichtet worden ist. Es ist aber immer noch deutlich zu erkennen, wie umfangreich seine politischen Kontakte waren und wie intensiv er sich um die Klärung wissenschaftlicher und politischer Fragen bemühte.
Enthält
Politische Korrespondenz, u. a. mit Theodor Duesterberg, Reinhard Mumm, Hermann Raschke, Max Liedtke - Familiäre Korrespondenz - Veröffentlichungen, Denkschriften und Vortragsmanuskripte zu germanistischen, historischen und genealogischen Themen
Literatur
Klaus Schwarz, Das zensierte Bremische Jahrbuch von 1936, in: Bremisches Jahrbuch 65 (1987), S. 107-123.
Weitere Angaben (Bestand)
Umfang in lfd. M.
0,3